Mittwoch, 17. September 2014

Iikwakwanumenu ist 135 Jahre alt geworden

Nivaldo, der beste Trommler und Marimbaspieler im APC lernt nun auch noch Harfe. Doch er war für einige Wochen abwesend, weil er in Angola den Geburtstag seiner Ur-Ur-Ur Grossmutter feiern ging und an der 2 wöchigen Hochzeitsfeier seiner Tante teilnehmen durfte. Hier sitzt er in meiner Küche und erzählt von den Festtagen. Als ich das Alter der gefeierten Frau bezweifelte, erklärte er, wie ein Arzt ihr ein Haarbüschel abschnitt und nach Amerika sandte. Eine Bestätigung kam zurück, dass diese Frau  tatsächlich 135 Jahre alt sei. Der Staatspräsident sei sogar zur Geburtstagsfeier gekommen und hätte ihr viele Geschenke gebracht. Ihre Tochter, kürzlich 100 jährig geworden, wollte ihr helfen, die Geschenke auszupacken. Doch die Ur-Ur-Ur Grossmutter lehnte die Hilfe ab mit den Worten, dass sie 2 Hände habe und diese Arbeit selber tun könne. Iikwakwanumenu, so ihr Name, gehe noch selber zu Fuss auf die Toilette und auch in den Laden Kaffee kaufen. Nur Fleisch könne sie nicht essen, da ihr die Zähne fehlen.
Das alles klang glaubwürdig. Vor einigen Jahren las ich in einer Zeitung, dass die älteste Frau der Welt aus Angola stamme und viele Geschichten zu erzählen wisse. Vielleicht ist das diese Frau oder vielleicht auch nicht.

Montag, 15. September 2014

Und dann entstand wieder die Idee eines neuen APC

In der Stadt Katima Mulilo, unweit der Viktoriafälle, stehen diese Häuser leer und sind dem natürlichen Zerfall übergeben. Sie wurden vor Jahren von Amerikanern für AIDS -Kranke gebaut, doch nach Aussage eines Arztes gehören AIDS Patienten nicht ausgesetzt, sondern sollen normal in den Spitälern bleiben. Nun werden diese speziell schönen Gebäude von allerlei Kriechtieren bewohnt.
Die Frage: Wer soll diese Gebäude reinigen, reparieren, das Umfeld räumen und schliesslich für ein neues Arts-Performance-Centre herstellen?
An jungen Leuten fehlt es nicht, doch am Geld, das leider zu oft in falschen Händen liegt.

Das unvergessliche Konzert

In Katima Mulilo, 1000 km von Tsumeb entfernt, gab das APC Orchester zusammen mit dem dortigen Orchester ein fast 2 stündiges Konzert. Die über 60 Spieler/innen und Sänger/innen gaben ihr Bestes. Trotz des leichten Durcheinanders kam eine feierliche Stimmung auf. Das  Publikum begann begeistert zu klatschen und am Ende, als die Marimba-Klänge und Trommeln einsetzten, sogar zu tanzen. Der schwungvolle Dirigent auf der Bockleiter war für alle unübersehbar.
Die 2000 km lange Busfahrt hatte sich trotz grosser Hitze zur 10 Jahresjubiläumsfeier des APC  gelohnt.


Donnerstag, 11. September 2014

Coca Cola

"Hier trinkt man das Coca Cola gratis".
Kürzlich sass ich wieder einmal auf dem Polizei-Posten, um einen Diebstahl anzumelden. Diesmal schrieb der Polizeibeamte recht schnell, ohne lange Rückfragen. Doch plötzlich stand er auf und bat mich, eine kleine Weile zu warten. Da rannten alle Beamten hinaus, und kurz danach heulte das Blaulicht. Ein Unfall, so dachte ich. Aber warum rennen so viele Polizisten weg. Ich blieb allein zurück und hinter mir diejenigen hinter den Eisengittern. Nach einer Stunde Wartezeit ging mir die Geduld aus. Ich schrieb für den Polizisten selber den Bericht fertig, unterschrieb und ging. Zu Hause vernahm ich vom Nachbarn, dass ein grosser Lastwagen mit einem Doppelanhänger die Kurve auf dem Hügel vor Tsumeb verpasste und den Hang hinunter rollte. Nach ungeschriebenem Gesetz darf der Fahrer bei einem Unfall nichts von den Gütern zu sich nehmen, doch die Anwohner dürfen kommen und das ausgeleerte Material nach Hause nehmen. Da wurde mir klar, weshalb der Polizeiraum so plötzlich leer wurde. Nun waren die Kühlschränke der Polizisten voll von Cola Flaschen. Einer brachte mir zum Dank fürs Fertgschreiben des Protokolls 2 grosse Cola Flaschen. Und gierig tranken hier meine Harfenmädchen ihr Lieblingsgetränk hinunter.

Dienstag, 9. September 2014

APC, eine Oase in der Wüste

Am letzten Samstag Abend wurde ein 19 Jähriger  von seinem Freund niedergestochen. Ein Polizist wurde zusammengehauen, weil er einen dubiosen Nacht-Club zur Nachtruhe aufforderte. Der Freund von Gideon, der bei einem Farmer "taglöhnte" und etwas Geld in der Tasche heimtragen wollte, wurde von einer Gruppe Betrunkener beraubt und zu Tode geprügelt. Für die Mädchen ist es besonders gefährlich, alleine ins Blechhüttenviertel zurück zu kehren.
Das sind tägliche Nachrichten aus Tsumeb.
Je mehr Schreckliches in den Wohnvierten passiert, desto mehr wird das APC für viele ein sicherer Ort, wo ein froher und kreativer  Geist herrscht, und wo niemand vor dem andern Angst haben muss. Am liebsten spielen die Jugendlichen Im Orchester, wo sie zusammen spielen können und sich dabei als eine Einheit fühlen. In den ausgiebigen Pausen erzählen sie einander Geschichten.
Heute besuchte uns eine Touristengruppe aus Berlin, welche den Marimba Klängen zuhörte und am Schluss bemerkte, dass wir hier ein Paradies haben.
"Ja, die Kinder und Jugendlichen fühlen sich hier wohl und sicher."

Sonntag, 7. September 2014

Neuanfang

Der Schweizer Musiker Peter Leu ist erst seit einer Woche hier und hat schon die Herzen der Lehrer und Lehrerinnen gewonnen. Er bildet sie täglich weiter in Theorie, Komposition, Klavier aus und nimmt sich zudem noch die Zeit, viele Kinder in Klavier und Keyboard zu unterrichten.

Letzten Montag nach den Ferien flockten die Kinder gruppenweise ins APC. " Für so viele Kinder haben wir keine Lehrer mehr!" dachte ich. Jede Hütte war voll besetzt. Sogar beim Bass, der sonst nicht so begehrt war, standen Jugendliche und baten um Spiel-Instruktionen.

Mittwoch, 3. September 2014

"Wir Kinder vom APC sind anders"

"Wir Kinder vom APC sind einfach anders als die andern in der Schule und in der Stadt. Wir lernen den ganzen Tag: Morgens früh bis mittags in der Schule, von 14°° an bis abends im APC noch andere Fächer als nur jene in der Schule; und dann kommt dazu, dass die vielen Freiwilligen aus den verschiedensten Ländern uns mit ihren Ideen und der Andersartigkeit bereichern; darum werden wir auf der Strasse, in der Schule und auch zu Hause immer wieder bewundert." Das war das Ergebnis der heutigen Diskussion mit Kindern und Lehrern vom APC in der Mittagspause.
Der Trompetenlehrer erzählte: Er sei von seinem Nachbarn gefragt worden, warum er immer so fröhlich sei, auch wenn er ja nur einen ganz kleinen Lohn habe. Dann hätte er stolz zurückgegeben:
Poor in pocket, but rich in mind  (Arm im Beutel, aber reich im Geist).