Sonntag, 18. September 2011

 Hochzeitskapelle in Afrika
Auf einem Hochplateau in der Nähe des internationalen Flughafens bei Windhoek steht eine neuerbaute Kapelle, die für Hochzeiten benutzt wird. Es ist Mode geworden, dass vornehme Lodges Hochzeitskapellen bauen, um auch der einheimischen Bevölkerung ihren "Dienst" anzubieten. Zum perfekten Service gehört Life-Musik. So wird nun vermehrt das APC eingeladen, diese Feiern mit Musik,  der Rasse des Brautpaares entsprechend, festlicher zu gestalten.
In dieser Holzkapelle spielten wir mit Harfe und Flöten spezielle Hochzeitsmusik.
Hätte Mendelssohn damals gewusst, dass sein Hochzeitsmarsch auch in Afrika einen bevorzugten Platz einnehmen wird, hätte er ihn sicher auch mit einheimischen Trommeln und Marimben unterlegt.

Ein Owambo-Junge, der beim Ueben dieses Marsches dabei war, glaubte, dass sein Grossvater ihn erfunden hätte, denn er hatte ihn beim Ziegeneintreiben diese Melodie pfeifen hören.

Donnerstag, 15. September 2011

Ein glücklicher Moment:
Dutzende von Kindern kommen aus dem Staunen kaum heraus:"Dieser Gentleman, der uns schon dieses Haus hier gesponsert hat, spendet 2000.- Euro noch zusätzlich, damit wir dank der richtigen schwarzen Schulschuhe wieder die Schule besuchen können oder von den andern Schülern nicht ausgelacht werden, wenn wir barfuss oder mit Plasticschlappen daher kommen."
Hier im Bild: Selma, unsere Sekretärin, überreicht den Kindern die neugekauften Schulschuhe.
Je nach Grösse kostet ein Paar Schulschuhe in Leder  um die N£ 195.-. Da können wir 103 Paar Schulschuhe  kaufen.

Dieses Haus hier dient den Marimbaplayern, den Trommeln und den Tänzern und Tänzerinnen. Walter Benarth hat uns diese Hütte bezahlt, er verzichtete auf einen teuren Grabstein für seine Frau und schenkte dieses Geld dem APC. So eine lebender Grabstein wird uns alle an Walter Benath erinnern, eigentlich lebt so seine Frau weiter, hier in Afrika, wo gelacht, getanzt, gespielt und musiziert wird.

Sonntag, 11. September 2011

 Wichtiger Moment im APC : Positive Wende
 Unser Zeichnungslehrer forderte mich gestern auf, um 11°° ins APC zu kommen; denn der Administrator der NDTC (Namibian Diamanten Handels Kompanie) wird uns Zeichnungs-und Bildmaterial im Werte von N$ 30000.- (ca. 5000.- sfr ) überreichen. Hier im Bild der Administrator Paige Ekandjo mit einem High Tech Projektor. Im Hintergrund am Boden liegt die Leinwand, ein Laptop, Pinsel, Papierbögen, Farben, Scheren, Bleistifte für den Zeichnungsunterricht. Daneben steht eine handliche Schweissmaschine, der langjährige Traum unseres Zeichnungslehrers Isai Indongo, der stets jammerte, mangels dieses Gerätes keine Skulpturen kreieren zu können. Vielleicht kann da Hanspeter Aggeler, der für einen Kunstworkshop kommen wird, den Zeichnungsschülern zu Hilfe kommen.
             Grund dieser Schenkung: Vor einem Jahr schrieb die NDTC einen Wettbewerb in einer Tageszeitung aus, Schmuck für die Diamantenschleiferei zu entwerfen. Ich brachte diese Anzeige dem Zeichnungslehrer, damit er mit seinen Schülern etwas Attraktives erfinden soll. Ich hätte nie gedacht, dass ein Schüler den ersten Preis gewinnen würde, und zwar den ersten Preis aus dem ganzen südlichen Afrika ( Süd Afrika, Angola, Botswana etc..)
Ein Kameramann vom nationalen Fernsehen und Journalisten von den verschiedenen Zeitungen .
Hätte ich das gewusst, wäre ich etwas vorbereitet gekommen, hätte mich gekämmt und etwas besser angezogen. Der Zeichnungslehrer hat mich nur um etwas Geld für Getränke und Potatochips angebettelt und dabei gesagt, vielleicht kommt einer mit zwei Kollegen vorbei. Ich dachte, dass Paige Ekandjo einfach das Material bringen würde.
Die Gruppe verblieb 3 Stunden im APC, filmte, machte Notizen, Interview mit Schülern, Lehrern und mir. Sie hatte sehr Interesse und verharrte in jedem Musikhaus, in welchem Kinder sassen und übten. Einige probierten sogar die Instrumente aus.

Und hier begann die Gruppe zu den Marimbaklängen zu tanzen. Es kam eine heitere Stimmung auf unter den Journalisten und Managern. Es fehlten nur noch das Bier und das Braii Fleisch

Und dann begannen sie selber auch noch Marimba und Trommeln zu schlagen.

Interessant war für mich die Frage, welche der Manager am Schluss stellte: "Wie sicher gehen die Lehrer hier mit dem Material um?" Ich versicherte ihm, dass noch kein Lehrer es wagte und auch nicht wagen wird, solange ich hier bin, etwas nach Hause zu nehmen.
Dann komme ich wieder, erklärte er zufrieden und verabschiedete sich.

Donnerstag, 8. September 2011

Nochmals ein wunderbares Geschenk:
Walter Benath, der schon vor 3 Jahren eine grosse Schenkung dem APC gemacht hatte, nämlich das Afrikahaus, wo die einheimischen Instrumente gespielt werden, hat eine ganz gute Idee gehabt:
Nachdem er erfahren hatte, dass Kinder, die weder Schulschuhe noch Uniform zu kaufen vermögen, von der Schule verwiesen werden. Das12 jährige Mädchen im schwarzen T-shirt namens Selma ist als Verdingmädchen tätig. Hätte sie Schuhe und Schuluniform gehabt, würde sie heute die 6. Klasse besuchen. Die Füsse der andern 3 Mädchen mit den Steckenbeinen passen nicht mehr in die alten, zerlöcherten Schuhe. Ich hörte andere Kinder spotten. Das Kind mit dem gelben T-shirt sagte mir, dass es nicht mehr in die Schule gehen möchte, da einige spotten, weil es keine Schuhe trage.
Es gibt Menschen, welche wirkliche Engel sind und genau zur richtigen Zeit ihre Hilfe anbieten.
Danke, Walter Benath!
Da können sie lachen:
Ein grosses Geschenk wurde gerade von der NAMDEB(= Namibianische Diamanten Mine ) ins APC geliefert. Leim, Farbstifte, Wasserfarben, Pinsel, teure Zeichnungsbögen, Bilderrahmen und eine handliche Schweissmaschine werden hier vom Zeichnungslehrer Isai (stehend) und dem Musikinstrumentenrestaurator Gideon (rechts) ausgepackt und bewundert.
Der Lehrer Isai und ein Schüler gewannen den 1. und 3. Preis des Zeichnungswettbewerbes, den die NAMDEB ausgeschrieben hatte. Gestern wurde eine Grossleinwand und einen Projektor mit PC gelifert, damit Isai den Zeichnungsunterricht besser gestalten kann. Insgesamt wurde für N$ 30000.- Unterrichtsmaterial fürs Zeichnen und Werken geschenkt. Das ist eine grosse Investition in unser Projekt, die ich selber nicht aufgebracht hätte. Auch ein ideeller Wert steckt dahinter: Die Lehrer und Schüler erfahren nun, dass mit Fleiss und Wille viel erreicht werden kann.

Sonntag, 4. September 2011

Wer war der Einbrecher?

Morgens früh standen die Teacher vor dem APC Office, waren wütend und traurig zugleich. Das Fenster und ein grosser Ziegelstein lagen am Boden. Elifas, der Klarinettenspieler klagte in weinerlichem Ton, dass all seine Kompositionen, die er während der ganzen Ferien auf dem Laptop eingeschrieben hatte, nun verschwunden seien. Ein anderer rief, dass der Nachtwächter den teuren Laptop, den Martin Pfanner geschenkt hatte, zu bezahlen habe. Bongani schrie, dass er den Nachtwächter abschlagen werde. Der Trompetenlehrer wollte gleich die Polizei holen, doch das musste ich verhindern und gab zu, dass ich selber eingebrochen habe; das kam so:
Ich hatte bis Mitternacht im APC Harfe geübt und gearbeitet, und als ich beim Verlassen des Raumes die Glastüre hinter mir zuschob und einklickte, merkte ich, dass mein Schlüsselbund noch drinnen auf dem Tisch lag. Mit dem Nachtwächter zusammen überlegte ich, wie ich nun in mein Haus gelangen könnte. Er meinte etwas spöttisch, dass ich mit ihm das APC bewachen sollte. Eine schlechte Idee bei diesem kalten Wind und ich in einer blossen Sommerbluse (tagsüber steigen die Temperaturen auf 36, nachts sinken sie auf 6°) ! Ich schlug seinen Vorschlag ab, mit ihm unter seinen Mantel zu kriechen. Da nahm ich einen Ziegelstein, und schleuderte ihn gegen das Officefenster. Nun konnte ich den Schlüsselkasten leicht herausfischen. Welches Pech: Kein einziger Schlüssel passte in das Schloss des Harfenraumes. Ich erinnere mich, dass in meinem Haus ein Ersatzschlüssel hängen muss.
Um mein Haus war es stockdunkel, und ein wenig fürchtete ich mich. Ich tastete alle Fenster ab, und als ich alle geschlossen vorfand, holte ich den Nachtwächter vom APC. Seine Taschenlampe hätte keine Batterien, die Strassenlampe war schon seit Monaten kaputt. Die Hunde der Nachbarn bellten in aller Lautstärke. Ich schleuderte gezielt einen Stein, und das Küchenfenster splitterte. Doch weder der Nachtwächter noch ich konnten reinklettern, da die Eisengitter an den Fenstern  zu engmaschig waren. Er gab mir den Rat, hier zu warten. Er ging und kam nicht, wie ich erwartete, mit einem Eisenbrecher zurück, sondern mit zwei kleineren Kindern, welche er in der Blechhüttensiedlung herumstreunen sah. Sie schienen den grössten Plausch zu haben, als wir sie durch die Eisengitter schoben. Erstaunlich schnell fanden sie die Ersatzschlüssel und boten sie mir durch das zersplitterte Fenster heraus. Sie warteten in meiner Küche, bis ich durch die, diesmal ordentlich geöffnete, Tür hereinkam. Da die Kinder Hunger anmeldeten, kochte ihnen Spaghetti, welche sie gierig hinunterschlangen. Beim Rausgehen lächelten sie vergnügt und meinten, dass sie morgen wieder kommen werden; denn es hätte ihnen Spass gemacht.

Donnerstag, 1. September 2011

CHAMELEON IST VERSCHWUNDEN

Meine Haushalthilfe, die seit 3 Wochen bei mir arbeutete, ist vor 10 Tagen verschwunden.Sie heisst Loide, aber vielleicht hat sie einen ganz anderen Namen, wie das Alter, wonach sie 40 aussieht. Sie sagte mir einmal, dass sie im September 32 Jahre alt werde.
Ich wollte mit ihr einen Arbeitsvertrag aufstellen, und dazu benötige ich ein Curriculum Vitae. Sie hat mir eines gegeben, das weder mit ihrem Alter, noch mit ihrem Dorf, wo sie aufwuchs, noch mit ihrer Schule und den betreffenden Abschlüssen übereinstimmte. Als ich sie aufforderte, die richtigen Papiere zu bringen, sagte sie, dass dies nicht möglich sei, da ihr Haus von den Wassermassen überflutet wurde und dabei ihre Dokumente verschlang. Tags darauf klopfte eine elegante Dame mit langen Haaren, silbernen Stöckelschuhen, Bluse,  Hose und Hut, einer Dame von Welt gleich, an der Tür und sagte mir lächelnd, dass sie heute in den Ausgang gehe. Ich kannte die Dame nicht. Sie beharrte darauf, Loide zu sein. Niemand im APC erkannte sie wieder als die ärmlich gekleidete Loide , wie sie war. Sie verschwand und kam nicht wieder.
Nun muss ich nach einer neuen Haushalthilfe Ausschau halten. Das ist hier in Namibia so paradox: Bei über 60 % Arbeitslosigkeit, ist es so schwiederig, die richtigen Leute zu finden. Die letztjährige hat sich wieder gemeldet; aber ich weiss, dass es nicht gehen würde; denn sie war jene, die nach dem Putzen alle Möbel umstellte: Das Bett dorthin schob, wo vorher der Schrank stand, einfach alles musste wo anders hinkommen. Heute stellte sich ein Herr vor; er könne hart arbeite, sagte er; doch er sei 100% taub, und als Invalider hätte er mehr Anrecht auf Jobs als Normale. Als ich ihm sagte, er solle am spaten Nachmittag wieder kommen, safte er, dass dies nicht gehe.Da öffnete ich gleich die Haustüre, und er verschwand etwas verlegen