Sie kam vom Spital direkt zu mir und bat mich, sie heim zu fahren. Ein steiniger Naturweg zwischen vielen Blechhütten führte uns zu einem blauangestrichenen quadratischen Gebäude aus Blech. Ich drängte mich durch den engen Türrahmen und stand gleich vor einem Bett, das den Raum zur Hälfte ausfüllte. In der Ecke stand ein kleines Tischchen beladen mit einer Flasche Öl, ein Scarmutz Weiss-Mehl und Zucker, ein Brot, einige Eier und ein Blechteller und Tassen. Die Kochstelle mit Feuerholz befand sich draussen vor der Hütte mit zwei grossen Baumstrünken bis zur Hälfte im heissen Sand versenkt, die als Stühle dienten. Da ich die Hitze in der Hütte nicht aushielt, setzte ich mich draussen auf einen solchen Natursessel. Die Lehrerin setzte sich zu mir und erzählte mit trauriger Stimme vom Besuch beim Arzt: Viel zu hoher Blutdruck, was das Brennen in den Augen und das ständige Kopfweh verursachte; dabei zeigte sie mir eine Plastiktüte voll gefüllt mit Tabletten. Nachdem ich ihr erklärt hatte, mit diesem Öl, Zucker und Mehl aufzuhören und besser sich mit Kabis, Rüben und Tomaten zu ernähren, die billig beim Farmer zu kaufen sind, sagte sie, dass diese Dinge in der Hitze zu schnell verderben.
"Wait here, I will just come back in a half hour"; so fuhr ich heim, holte meinen Kühlschrank vom Gästezimmer mit einem Verlängerungskabel und brachte ihn zu ihr. Die erwartete Freude blieb nicht aus. Und der Nachbar schenkte ihr sogar Strom. Heute sei für sie Weihnachten, meinte sie
Sonntag, 15. September 2019
Blackmamba im Nachttopf
Nun ist die volle Hitze wieder da, und die Schlangen sind vom Winterschlaf aufgeweckt.
Die Menschen, die in den Blechhütten wohnen, können in der Nacht ihre Notdurft nicht mehr draussen im Busch verrichten; denn die Schlangen jagen die Beute in der Nacht. Einer der Musiklehrer erzählte mir heute , dass seine morgens früh den Nachttopf unter einem Busch leerte und ihn zum Trocknen stehen liess. Am Mittag, als sie den Nachttopf reinholen wollte, erschrak sie heftig mit einem Schrei; denn eine Blackmamba hatte den Hafen gefüllt, um darin den Mittagsschlaf zu geniessen. Nun muss sie bis abends warten und hoffen, dass sich das gefürchtete Tier auf einer Jagd befindet.
Die Blackmamba ist das schnellste und giftigste Reptil (72 km/h ) und kann den Menschen nach 6 Minuten zum Sternenstaub bringen.
Die meisten unserer APC Lehrer und Lehrerinnen wohnen in Blechhütten; denn mit ihrem kleinen Lohn ist es ihnen vergönnt, eine menschenwürdige Wohnung zu bauen.
Die Menschen, die in den Blechhütten wohnen, können in der Nacht ihre Notdurft nicht mehr draussen im Busch verrichten; denn die Schlangen jagen die Beute in der Nacht. Einer der Musiklehrer erzählte mir heute , dass seine morgens früh den Nachttopf unter einem Busch leerte und ihn zum Trocknen stehen liess. Am Mittag, als sie den Nachttopf reinholen wollte, erschrak sie heftig mit einem Schrei; denn eine Blackmamba hatte den Hafen gefüllt, um darin den Mittagsschlaf zu geniessen. Nun muss sie bis abends warten und hoffen, dass sich das gefürchtete Tier auf einer Jagd befindet.
Die Blackmamba ist das schnellste und giftigste Reptil (72 km/h ) und kann den Menschen nach 6 Minuten zum Sternenstaub bringen.
Die meisten unserer APC Lehrer und Lehrerinnen wohnen in Blechhütten; denn mit ihrem kleinen Lohn ist es ihnen vergönnt, eine menschenwürdige Wohnung zu bauen.
Freitag, 13. September 2019
Der Staat frisst uns wieder Lehrer weg.

20 Lehrer und Lehrerinnen sind im APC noch geblieben.
Von l n.r. hintere Reihe:
Dallas, der Allrounder, Nakisha, die Sekretärin, Karina, die Haufenlehrerin, Jeremia, der Geigenlehrer, Kleophas, der Gitarrenehren, Pohamba, der Marimba-und Hornlehrer und Brass Band Leiter, Junias, der 2.Gutarrenlehrer und Dirigent des grossen APC Orchestras, Peter, der Klarinetten-und Saxophonlehrer, Isai, der Schachlehrer, Viktoria, die Cellolehrerin, Meine, der 2.Cellolehrer ist krank, Andreas, der Instrumentenflickes und Violalehrer, Henry, der Oboenlehrer
Von l. n. r. untere Reihe:
Lis, die Leiterin, Ndatoolewe, die Flötenlehrerin und Kinderorchester Dirigentin, Caroline, die Tanzlehrerin, etwas hinten sitzt Wilhelm, der Mal-und Zeichnungslehrer, Rebekka, die Trompetenlehrerin , Norma, die Kontrolleurin, Cornelia, die Pianolehrerin, Rosy, die Spielgruppenleiterin
Die restlichen Angestellten hat der Staat weggerufen, um ihnen in den Gefängnissen einen Job anzubieten, wo sie die jugendlichen Gefangenen weiter ausbilden sollen.
Das Gleiche tat der Staat auch in Oshikuku. Der Leiter vom APC Oshikuku sagte mir, dass zum Glück nur die geldgierigen dem Ruf des Staates gefolgt sind: Der Staat bietet ihnen den 3 fachen Lohn an, den wir eben nicht bezahlen können.
Wir im APC bilden die Leute aus, und der Staat rahmt ab, anstatt die abertausend arbeitslosen Jugendlichen von der Strasse zu holen, um sie auszubilden. Wenn der Staat uns wenigstens finanziell unterstützen würden, wäre es noch fair.
Donnerstag, 12. September 2019
Die 4 Winner des Frieden -Mal -Wettbewerbes von Namibia
Mittwoch, 11. September 2019
Der weinende Cello Lehrer
Dalla, der hochgewachsene, in letzter Zeit immer hochgelaunte Cello-Lehrer weinte und brachte mir die 7 jährige Schülerin in das Office. Das Kind weinte leise. Ich erschrak.
Das Kind hat einen 5 km langen Weg von seiner Blechhütte bis zur Schule, die um 07°° beginnt und um 13°° endet. Anschliessend läuft es zum APC, wo es Cello und Flötenunterricht erhält.
Heute Nachmittag brach es während der Cello Stunde zusammen. Der Lehrer hob es auf , und als er erfuhr, dass es seit gestern weder getrunken noch gegessen habe, konnte er sein Mitgefühl nur mit Tränen äussern.
Nachdem das Mädchen und sein Bruder sich bei mir satt gegessen hatten, fragte ich, warum die Mutter nichts auf den Schulweg mitgebe. Sie wussten keine Antwort.
Die 13 jährige Schwester Martha wohnt seit 3 Jahren bei mir; damals war sie einfach ein Skelett. Gestern hat sie vom Chef des Lions Club des südl. Afrikas N$ 1000.- erhalten, weil sie den ersten Preis im Zeichnungswettbewerb über das Thema "Journey of peace" gewonnen hat.
Martha erklärte mir, dass sie morgen die Mutter aufklären werde über die Wichtigkeit des Essens und Trinkens und ihr dafür Geld übergeben.
Mit diesem Bild hat Martha den ersten Preis gewonnen.
Interessant ist oben links die 2. Friedenstaube. Diese weint, weil sie unter ihr die 16 Staaten der Welt sieht, die zur Zeit Krieg führen. Ihre Tränen verwandeln sich in Blut, in welchem Soldaten gehen. Unten die weinenden Kinder und unterdrückten Frauen. Ein Kind fällt hin.
Rechts oben fliegt die richtige Friedenstaube, die das Banner mit den 16 Kriegsstaaten links im Schnabel und rechts der Olivenzweig hält. "Diese Staaten müssen Frieden schließen, erklärte Martha dem Chef des Lions Club; sie habe darum das Peace Zeichen an das Banner gehängt. In der Mitte hat sie ein Cello gezeichnet als Symbol von hören und leben können, darum sei das Cello von bunten Blumen und fröhlichen Menschen umgeben.
Martha spielt übrigens sehr schön Geige und nimmt täglich im APC Mal-Unterricht.
Das Kind hat einen 5 km langen Weg von seiner Blechhütte bis zur Schule, die um 07°° beginnt und um 13°° endet. Anschliessend läuft es zum APC, wo es Cello und Flötenunterricht erhält.
Heute Nachmittag brach es während der Cello Stunde zusammen. Der Lehrer hob es auf , und als er erfuhr, dass es seit gestern weder getrunken noch gegessen habe, konnte er sein Mitgefühl nur mit Tränen äussern.
Nachdem das Mädchen und sein Bruder sich bei mir satt gegessen hatten, fragte ich, warum die Mutter nichts auf den Schulweg mitgebe. Sie wussten keine Antwort.
Die 13 jährige Schwester Martha wohnt seit 3 Jahren bei mir; damals war sie einfach ein Skelett. Gestern hat sie vom Chef des Lions Club des südl. Afrikas N$ 1000.- erhalten, weil sie den ersten Preis im Zeichnungswettbewerb über das Thema "Journey of peace" gewonnen hat.
Martha erklärte mir, dass sie morgen die Mutter aufklären werde über die Wichtigkeit des Essens und Trinkens und ihr dafür Geld übergeben.
Mit diesem Bild hat Martha den ersten Preis gewonnen.
Interessant ist oben links die 2. Friedenstaube. Diese weint, weil sie unter ihr die 16 Staaten der Welt sieht, die zur Zeit Krieg führen. Ihre Tränen verwandeln sich in Blut, in welchem Soldaten gehen. Unten die weinenden Kinder und unterdrückten Frauen. Ein Kind fällt hin.
Rechts oben fliegt die richtige Friedenstaube, die das Banner mit den 16 Kriegsstaaten links im Schnabel und rechts der Olivenzweig hält. "Diese Staaten müssen Frieden schließen, erklärte Martha dem Chef des Lions Club; sie habe darum das Peace Zeichen an das Banner gehängt. In der Mitte hat sie ein Cello gezeichnet als Symbol von hören und leben können, darum sei das Cello von bunten Blumen und fröhlichen Menschen umgeben.
Martha spielt übrigens sehr schön Geige und nimmt täglich im APC Mal-Unterricht.
Freitag, 6. September 2019
Vieh und Bauern auf Wanderschaft
Namibia ist 32 mal grösser als die Schweiz.
Es gab dieses Jahr kein Regen. Die Flussbetten ausser die Grenzflüsse im Norden und der Oranje im Süden sind alle ausgetrocknet.
Die Armut grassiert. Viele Mütter geben den Kleinkindern noch das, was sie haben: Selbstgebrautes Bier.
Namibia, das zum Teil als Schwellenland gilt, hat die grösste Armut bei der Landbevölkerung im Norden und in den Blechhüttenvierteln rund um die Städte. Letzten Monat starben 44000 Rinder an Hunger und Durst.
Die Bauern, das sind 2/3 der Bevölkerung, ziehen mit dem restlichen Vieh in ganz Namibia herum, um Grasflächen zu suchen. Überall sieht man Kinder und Frauen mit Sicheln und Grasbüscheln an den Strassenrändern, die den vorbeifahrenden Lastern mit aufgeladenem Vieh dürres Gras verkaufen.
Hepatitis E breitet sich immer mehr aus. Was nützt der Aufruf der Regierung:"Hände waschen vor dem Essen", wenn das Wasser dazu fehlt?
Im APC Oshikuku haben die Ziegen den Drahtzaun durchgebissen, um an die wenigen grünen Pflanzen zu kommen. Der Zaun ist sehr alt, er war damals, als ich dort noch die Leitung hatte, schon alt. Tsumeb heisst auf Deutsch Wasserplatz. Da hat es genügend Grundwasser, und alle Gärten blühen.
Es gab dieses Jahr kein Regen. Die Flussbetten ausser die Grenzflüsse im Norden und der Oranje im Süden sind alle ausgetrocknet.
Die Armut grassiert. Viele Mütter geben den Kleinkindern noch das, was sie haben: Selbstgebrautes Bier.
Namibia, das zum Teil als Schwellenland gilt, hat die grösste Armut bei der Landbevölkerung im Norden und in den Blechhüttenvierteln rund um die Städte. Letzten Monat starben 44000 Rinder an Hunger und Durst.
Die Bauern, das sind 2/3 der Bevölkerung, ziehen mit dem restlichen Vieh in ganz Namibia herum, um Grasflächen zu suchen. Überall sieht man Kinder und Frauen mit Sicheln und Grasbüscheln an den Strassenrändern, die den vorbeifahrenden Lastern mit aufgeladenem Vieh dürres Gras verkaufen.
Hepatitis E breitet sich immer mehr aus. Was nützt der Aufruf der Regierung:"Hände waschen vor dem Essen", wenn das Wasser dazu fehlt?
Im APC Oshikuku haben die Ziegen den Drahtzaun durchgebissen, um an die wenigen grünen Pflanzen zu kommen. Der Zaun ist sehr alt, er war damals, als ich dort noch die Leitung hatte, schon alt. Tsumeb heisst auf Deutsch Wasserplatz. Da hat es genügend Grundwasser, und alle Gärten blühen.
Dienstag, 3. September 2019
Gift im Weinglas?
Zum Dank für die letzten Marathonsitzungen lud ich die letzten 5 Arbeiterinnen und Arbeiter vom APC ausnahmsweise zu einem Nachtessen ein. Der Kellner servierte allen Chips und Huhn, dazu stellte er eine Flasche Wein auf den Tisch. Nachdem er aus der Hosentasche das Besteck und den Zapfenzieher gezogen hatte, begann er die Flasche zu öffnen und machte dabei immer Bemerkungen über die Südafrikanischen Weinabfüller, die nicht wissen, wie dumm sie die Zapfen in den Flaschenhals zwängen. Er hatte sichtlich Mühe, diesen Korken heraus zu ziehen. Einer half ihm dabei. Dann endlich schenkte er mir ein und nahm zuerst selber einen Schluck, dann beim Willhelm nahm er einen grösseren Schluck, und so bei jedem, dem er Wein einschank. Selma dankte ihm für diese Geste. Ich hingegen erklärte ihm, dass er dies bei den Touristen aber nicht machen dürfe; denn das sei nicht anständig. Anständig? fragte er verwundert, er sei neu angestellt in diesem Hotel und wolle doch zeigen, dass er die Gäste schätze und deshalb zuerst probiere, bevor sie vom möglich hineingeschmuggelten Gift trinken und dann tot umfallen.
Er fühlte sich als Held und wolle einen guten Ruf hinterlassen.
Ein anderer Lehrer warf ihm vor, sich auf unsere Kosten besaufen zu lassen, stand auf, und der Kellner hielt ihm die Faust entgegen. Nicht so, rief ich laut, ansonsten verlasse ich Euch.
Der Streit kam zum Glück nicht aus, und alle genossen das frittierte Huhn.
Er fühlte sich als Held und wolle einen guten Ruf hinterlassen.
Ein anderer Lehrer warf ihm vor, sich auf unsere Kosten besaufen zu lassen, stand auf, und der Kellner hielt ihm die Faust entgegen. Nicht so, rief ich laut, ansonsten verlasse ich Euch.
Der Streit kam zum Glück nicht aus, und alle genossen das frittierte Huhn.
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