Donnerstag, 21. Februar 2013

Sinnvolle Abfallentsorgung

Immer wieder sendet Kanada tonnenweise Bestandteile alter Velos, die hier von Jugendlichen so zusammengeschweisst werden, dass  fahrbare Velos entstehen. So hat Mr.Nigel, der Leiter dieses Projektes den APC Lehrern 6 Fahrräder als Dank fuer gute Arbeit geschenkt. Schön, dass wir nichts bezahlen mussten. So ein Velo wurde sonst zwischen 300.- und 700.- N$ kosten.
Diese Schenkung hatte  sich so schnell herumgesprochen, dass heute viele Jugendliche im APC erschienen und ein Anmeldeformular fuers Erlernen eines Musikinstrumentes verlangten. Als ich einen 20 Jaehrigen fragte, welches Instrument er waehlen werde, sagte er bloss: "Irgendeines, die Hauptsache ist, dass ich ein Velo bekomme! " Ich war heute Nachmittag die ganze Zeit damit beschäftigt, das Missverständnis zu klären.

Montag, 18. Februar 2013

Was fuer ein dreckiges Gesindel kommt denn da?


Es war am Valentins Tag, ein unmoeglich heisser Tag. Nach 4 stuendiger Autofahrt trafen wir im neuen Hotel HILTON in Windhoek ein. Es war 15 Uhr. Um 18 Uhr sollten wir mit dem Konzert (2 Geigen, 1 Cello und 1 Harfe) beginnen. Wir wollten zuerst die Instrumente im Saal des Hotels abladen und anschliessend unsere Unterkunft suchen gehen. Als wir die Instrumente die breite Einganstreppe hochschleppten, kam der Hotel-Manager entgegen, und statt eines freundlichen Grusses schielte er uns verlegen von oben bis unten an und fragte etwas leise, ob er fuer uns schnell ein T-shirt kaufen gehen solle. Bongani bejahte lächelnd und dankbar seine Frage. Doch ich sagte dem Manager, dass dies nicht noetig sei, da wir unsere Konzert Bekleidung noch in der Koffer haben, woraufhin er einen Kellner herbei rief, der uns den Platz fuer die Instrumente anweisen sollte. "Hat jetzt der Manager wirklich geglaubt, wir wuerden in diesen dreckigen und verschwitzten Shorts, offenen Hemden und Plastic-Latschen ein Konzert geben? " 
Um 18 Uhr kamen wir alle in schwarzer Bekleidung und stark parfümiert ins Hilton zurück. Wir begannen zu spielen. Es toente recht gut. Doch nach 2 Stunden hatten wir das Programm durchgespielt. Ein Kellner bemerkte, dass wir nicht aufhoeren können; denn die VIP haben noch nicht zu essen begonnen. Also begannen wir das Programm von vorne noch ein Mal zu spielen, dazwischen improvisierten wir einfach. Nach weiteren 2 Stunden waren wir sehr müde, und ich konnte kaum mehr Noten lesen. "Nur noch eine Stunde", sagte der Kellner und brachte uns feinen Sirup. Danach bat er Bongani, mit ins Praesidentenzimmer zu kommen, um dort den hoechsten Gästen  ein Staendchen zu geben. Und wir Zurueckgebliebenen improvisierten weiter. Ich hoffte, dass die Leute etwas besoffen wären, um unsere Fehler nicht zu bemerken. Doch dem war nicht so; einige kamen sogar naeher und applaudierten. Um 23 Uhr kam Bongani stolzen Schrittes daher. Vielleicht hat er dort geheimes Geld bekommen. Endlich durften wir die Instrumente ablegen und in einem schoenen Saal wurde uns Pommes-Frites mit einem kleinen Stueck Fleisch serviert. Der Teller war viel zu gross im Verhaeltnis zum Inhalt.

Samstag, 16. Februar 2013

Dumm oder intelligent

In 2 Tagen werden wir im neugebauten HOLTON Hotel in Windhoek ein Konzert zum Valentins Tag geben. Es wurde ausdruecklich Harfen Musik gewünscht. Wir uebten schon seit Stunden auf der Harfe , der Geige und dem Cello. Doch genau 2 Tage vor dem Konzert funktionierte die D=Saitemechanik der Harfe  nicht mehr. Ich wusste nicht, woran es liegen konnte und bat Gideon, unseren APC Abwart, mir  beim Herumschrauben behilflich zu sein. Ich glaubte nicht, dass wir so eine komplizierte Mechanik verstehen können und wollte  das Konzert abzusagen. Doch da uns sehr viel an diesem Konzert lag, baten mich die andern Spieler, etwas Geduld zu üben und auf Gideons Koennen zu vertrauen.
Als ich nach einer Stunde dieses teure Instrument zerlegt auf dem Küchentisch vorfand, verschwand meine letzte Hoffnung.
 Ich versuchte, das Konzert abzusagen, doch die telefonische Verbindung war ausser Betrieb.
Gideon schickte uns alle aus der Küche; denn er muesse nun in Ruhe hirnen können.
Nach gut zwei Stunden rief er mich herbei, um die Harfe zu testen. Alles ging wie geölt. Kaum zu glauben: Gideon ohne jegliche Schulbildung, also ein Analphabet machte eine Doppelpedalharfe wieder spielbar.
Wir gratulierten ihm; woraufhin er  lachend  erklärte, dass es eben gescheite Dumme und dumme Gescheite gäbe.

Sonntag, 10. Februar 2013

Neue Mitarbeiter/innen im APC

Von links nach rechts:
Der Showmaster Bobby, der den Titel Showmaster wirklich verdient: Er hat sehr wache Augen, nimmt jede Bewegung, die auf der Buehne und im Zuschauerraum passiert, wahr und, wenn es nötig ist, kommentiert,  in einer klaren und dazu noch humorvollen Art. Er hat die Fähigkeit, das Publikum in das Bühnengeschehen so einzubeziehen, dass sich alle angesprochen fühlen und niemand  Zeit zum Schwatzen findet. Dieses Showgenie kommt aus Katima Mulilo, wo er das APC an einem Musikworkshop kennen gelernt hatte.
Der 2. v.l. : Giggs, ein Vollbluttaenzer. Am letzten Samstag Konzert hat er das Publikum mit seinen strengen Rhythmen, Saltos und schnellen Tanzbewegungen in Staunen versetzt. Seine ersten Tanzschülerinnen tanzten bereits nach 2 Woche Unterricht eine kleine Geschichte.
Der 3. v.l.: Eigentlich ein alter Bekannter. Junias, der schon seit 2 Jahren im APC Kinder in Guitarre unterrichtete, wollte mehr Lohn und versuchte in der neuen Zementfabrik mit Karrenschieben sein Glück. Doch nach wenigen Wochen sah er ein, dass er sich im APC besser gefühlt hatte und kam wieder zurück.Am Sasmstagskonzert bot er, wie früher, eine der interessantesten Darbietungen.
Die 4. v.l.: Tresia, die neue Sekretärin mit guter Ausbildung und vor allem mit einer sehr offenen Haltung und fleissigem Einsatz, verstand es schon am ersten Tag , ihr Office so einzuräumen, dass sie die noetigen Informationen beim Gebrauch sofort zur Hand hat. Sie lud 30 Eltern zum Konzert ein, und 20 erschienen. Bravo!
Die 5. v.l.: Sharon, welche die Lektionen der Lehrer/innen, die Registrationpapiere etc. kontrolliert und den Lunch fuer das Arbeiter/innen-team vorbereitet. Daneben lehrt sie die Kinder Hygiene (Gebrauch einer Toilette, Waschen der Hände etc.

Montag, 4. Februar 2013

Der Freiwillige Jan Lukas aus G

Abschied von Jan Lukas.
Etwas traurig waren unsere Guitarrenspieler am Abschiedsfest von Jan Lukas. Begreiflich, denn dieser, auch wenn erst 16 jährig, sein Sozialpraktikum leider schon so frueh zu Ende bringen musste. Erstaunlicherweise hat er fuer sein junges
 Einen kriegs-und unfallgeschädigten Jungen aus Angola brachte er so weit, dass dieser nun die Kinder in Gitarre mit Freude unterrichten kann..
Jan Lukas war bei unsern Lehrern gerade wegen seines selbstlosen und fleissigen Einsatzes sehr beliebt. Bobby, (hier links aussen im Bild), singt ihm aus voller Kehle einen Abschiedssong. Auch ich moechte in den Song einstimmen: So einen wie Jan Lukas moechten wir immer im APC haben. Er hat uns den Klang der Guitarre schmackhaft machen können. Jan Lukas ist weg, und unsere Kinder wissen nun, dass sie durch fleissiges Ueben etwas erreichen können.
Es gibt also auch Jugendliche in Europa, die nicht nur verwoehnt sind, sondern die sehr hart arbeiten können. Jan Lukas hat das Vorurteil, das oft ueber die verwöhnten und verweichlichten Jugendlichen in Deutschland herrscht, revidiert.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Ich will Flügel, keine Wurzeln

Im Moment haben die Lehrer/innen eine kreative Phase:
Richardlee Shombe bemalt das "Schybeplaetzli Huus" mit Wurzelstoecken; denn, wie er sagt, sind die Wurzeln das wichtigste Element in einem Leben. "Doch moechte ich lieber Fluegel haben; denn mit Wurzeln komme ich nicht weit und muss staendig zuhause bleibn. Ich wuensche mir Fluegel , die mich forttragen in eine Welt voller Frieden und Genugtuungen. Ich glaube, dass meine eigenen Bilder, die ich an ein APC Haus male, Veraenderungen in mir selbst bewirkten. Wurzeln haben, wie mit die Lehrer sagen, will ich nicht; denn ich will weiterkommen. Richardlee (hier im Bild) ist ein Maturand und Schüler in Drama und Malen  im APC.

Dienstag, 22. Januar 2013

Von den Raeubern gelernt

Eben schob ich um Mitternacht die Schiebetüre hinter mir zu, als ich bemerkte, dass ich meinen Hausschlüssel drinnen im Raum vergessen hatte. Nun stand ich im Dunkeln im APC und begann zu überlegen, wie ich ohne Schlüssel in mein Haus kommen könnte, ohne eine Tuere einzuschlagen.
Ich suchte den Nachtwächter und fand ihn hinter der Freiluftbühne. Er musste mir das Ausgangstor im APC öffnen. Ich bat ihn, mir beim Aufknacken des Schlosses an meiner Gartentuere behilflich zu sein. Am schweren Eisentor angelangt, zeigte ich ihm, wie er dieses etwas hochheben musste, damit ich das Padlock besser durch die Eisenschlinge drücken konnte. Ein Knall, und das Tor sprang auf. Er half mir, auf die gleiche Art das Tor wieder zu schlieesen. Nun war ich wenigstens in mneinem Garten, und der Nachtwaechter verabschiedete sich mit einem Kopfschütteln.
"Aber wie komme ich nun ins Haus?" Ich probierte alle meine Ideen aus. Plötzlich  kam mir in den Sinn, dass ich etwa vor 2 Jahren einen Ersatzschlüssel fuer eben solche Notfälle in der Veranda unter dem Grasdach versteckt hatte. So kletterte ich hoch, und zu meiner Enttäuschung: Der Schlüssel war weg!.
Oben im Dach gabs einen schmalen Durchschlupf, den ich schon laengst mit Draht zuflechten wollte, um ungebetene Eindringlinge fern zu halten. Ich kletterte am Eisengitter hoch, machte mich dünn , und dann drueckte ich mich durch das schmalen Schlupfloch zwischen einem Holzbalken und dem  kratzendem  Ende des Strohdaches. Ich hoffte nur, dass niemand mich von der Strasse aus beobachtete.
Mit einem Satz sprang ich auf den Boden und war selber überrascht, wie ich in meinem Alter noch beweglich war. Hier gab es eine Türe. Aber auch die war verschlossen. Was nun? Mich hier einfach niederlegen und schlafen? Die vielen Moskiten und Echsen hielten mich davon ab. Ich hatte den Safeschluessel vom APC noch in der Hosentasche. Dort koennte ich auf dem Fussboden übernachten; . Also ging ich den selben Kunstweg zurueck zum APC. Es begann arg zu blitzen und donnern.
Vor dem Eingangstor ins APC rief ich den Nachtwaechter herbei. Es dauerte eine rechte Weile, bis er mich hörte. Endlich kam er wieder hinter der Buehne hervor. Er oeffnete und fragte, wohin ich wollte. Im Safe waere ich gut aufgehoben, sagte ich, und er nickte. Im Safe entdeckte ich eine lange , sehr duenne Eisenstange.
Da schoss mir das Bild durch den Kopf: " Mit einer solchen Eisenstange hatte einmal ein Räuber das Schiebetor im APC aufgemacht und den Laptop entwendet." Der Nachtwächter half mir bei der Operation; und sie gelang. Dort auf dem Tisch lag mein Hausschlüssel. Ich war unendlich dankbar
und versprach dem Nachtwaechter,  morgen eine Schokolade zu bringen, eine echte Schweizer Schokolade. Am Schluss wollte er wissen, ob man in der Schweiz lerne, wie man einbrechen kann.
"Nein, nicht in der Schweiz, aber in Namibia."