Sonntag, 31. März 2019

Verkaufsvertrag

Gestern auf heute , um Mitternacht 24°° 30 läutete der chinesische Botschafter bei mir. Was in der Welt er noch so spät von mir wolle? Ich bin weder noch schön, noch sexy, noch jung.
Nichts dergleichen wolle er, sondern nur einen Vertrag mit mir aushandeln; denn er wolle so ein wunderbares APC aufkaufen. Ich sagte den Preis: 16 Millionen Namib.Dollar, woraufhin seine Schlitzaugen plötzlich rund wurden und zu rollen begangen.
Er öffnete eine Brieftasche, entzog ein mit chinesischen Zeichen schön verziertes Papier hervor.
Ich konnte lesen APC Tsumeb, vorher in den Händen einer Schweizerin, dahinter ein durchgestrichenes Schweizerkreuz und daneben das China Zeichen.
Er wagte mich zu fragen, ob ich diesen Zettel unterschreiben möchte.
Was er mit dem APC machen würde, fragte ich ihn etwas misstrauisch. Dann lächelte er milde und sagte: Musik, vor allem Mozart, den er so gut möge und auch etwas tanzen, aber mit Papierregenschirmen und natürlich malen und chinesische Schriftzeichen lernen.
Gut, ich unterschrieb den Vertrag.
Morgen werde er das Geld vorbei bringen.
Ende gut, alles gut, dachte ich und atmete auf; denn nun sind wir aus den Geldsorgen entkommen.

Donnerstag, 28. März 2019

Jetzt, wo es um Geld mangelt, kommen so viel Kinder ins APC


Der Gitarrenlehrer Junias muss abends geschafft sein; denn jede Lektion mit so vielen Kindern zu meistern, braucht Energie und Nerven. Aber Junias macht weiter, auch wenn sein Lohn nur noch halb ausbezahlt werden kann.
Hier sind die Kinder, die auf die nächste Lektion für Musik warten. Es sind auch hier zu viele Kinder, um genügend Spielsachen offerieren zu können. So hat sich eine junge Frau aus dem Dorf  freiwillig zur Verfügung gestellt, mit den Kindern einfach sogenannte Gesellschaftsspiele, Bewegungsübungen usw. zu machen.
In diesem Zusammenhang möchte ich hier Leser oder Leserinnen anfragen, ob sie vielleicht zu Hause  übrige Lego Steine besitzen, die im Estrich ihre Langeweile verbringen. Warum solche Steine nicht unsern Kindern hier zu schenken? Das würde unsern Kindern gut tun.
Unsere Adresse:
APC
 P.B. 223
TSUMEB  Namibia

Herzlichen Dank im Voraus, Lis Hidber

Samstag, 23. März 2019

Ein neuer Freund


Schon seit Wochen sitzt jeden Morgen ein Mann des Urstammes San in meiner Küche und trinkt Kaffee. Er stört mich nicht, im Gegenteil: Er weiss so viel zu erzählen von der alten Zeit, als die Deutschen die San aus der Etoscha Pfanne (hier Heimat) vertrieben, als sein Volk noch das Jagdrecht hatte, als die Buren ihnen mir der Peitsche nachrannten, wenn sie ein Huhn jagten usw. Heute liess er ein Schildkröten Baby auf dem Küchentisch über die Teller krackseln. Er bringt immer Überraschendes mit; Mal sind es Heilwurzeln, letzthin brachte er wilde Pflaumen aus dem Busch; aber wenn er mit einer Schlange um den Hals erscheint, habe ich weniger Freude.
Einmal fragte ich ihn, warum er täglich zu mir komme, und seine Antwort lautete, dass er doch mein Freund sei.

Zur Zeit wimmelt es nur so von Kindern und Jugendlichen im APC. Ich muss mit Neu Anmeldungen stoppen; denn alle Hütten sind überfüllt und die Lehrer sind zu wenig.
Es ist mir schon klar, weshalb dieser grosse Zulauf eintritt: Hier gibt es frisches Wasser zu trinken.
Meine Gewissensfrage drängt sich mehr und mehr auf: "Soll ich den Kindern raten, Violine, oder Piano, oder Cello, oder Gitarre oder Marimba  zu lernen? Sie würden zu allem einfach JA sagen, weil es ihnen in diesem Paradies gefällt."
Die meisten lernen und begreifen unheimlich schnell. Das animiert mich zu sagen:"Geht in alle Hütten, schaut ein wenig zu, wie das betreffende Instrument tönt, und erst dann entscheidet Euch, welche 3 Instrumente Ihr lernen wollt." Auf dem Anmeldeformular dürfen sie 3 Instrumente ankreuzen.
Ich sehe dann, dass sich die meisten Kinder gar nicht entscheiden können. Viele wollen bei jenem Lehrer oder jener Lehrerin bleiben, der oder die ihnen lieb und vertrauenswürdig erscheint.

Polizisten bringen ihre eigenen Kinder, weil sie wissen, dass eine APC-Beschäftigung eine gute Vorbeugung gegen Strassenkriminalität ist. Oder Lehrer bringen ihre Kinder, weil sie gesehen haben, dass die APC Kinder in den Schulergebnissen besser abschließen.
Einige Jugendliche kopieren jene, die bereits auf dem Weg zu einem selbstständig reicheren Lebensunterhalt sind. So z.B. Ronaldo, der  mit seiner Geige Konzerte in der Hauptstadt gibt, der an vielen Festen spielt, der sogar mit Pop Musikern zusammen konzentriert, der auf der Bühne so fiedelt, dass ihn all die weiblichen Zuschauer berühren möchten.
Wenn ich sehe, dass Kinder zufrieden lächeln und strahlen, wenn sie zum Beispiel auf dem Cello ein schön klingendes Lied spielen können, denke ich, dass die Musik ihren Zweck erfüllt, nämlich Freude bereiten.
Wenn ich abends von der vielen Arbeit gestresst bin,  gehe ich Mitternachts ins APC und spiele so lange, bis ich den Eindruck habe, den Tag mit Genugtuung abschiessen zu können.
Vielleicht ist es das, was mich so gesund erhält.
Die Musik muss etwas Ewiges in sich haben.



Furcht vor der Dürre wächst kontinuierlich


Alltägliches Bild: Verwesende Tiere zäumen die Wege . Eine Giraffenmutter spreizte die Beine, um aus dem Wasserloch zu trinken, doch sie hatte keine Kraft mehr, sich auf den eigenen Knien zu stützen; sie fiel hin und ertrank im Wasser. Das Kleine stand zitternd daneben.

Schwierige Entscheidung, das Richtige zu tun


Auf der Strasse traf ich Penelao, die junge Frau, die letztes Jahr unsere APC Galerie leitete und den Touristen den APC Betrieb vorführte.
Ende Dezember mussten sich alle APC Angestellten wieder neu für das nächste Jahr bewerben, ansonsten erhalten sie die Arbeitsstelle nicht mehr. Penelao bewarb sich nicht mehr, und so stellte ich  einen jungen Mann ein, der ihre Arbeit übernahm, die er aber nicht so attraktiv gestalten konnte. Penelao bewirtet mit ihren Eltern ein Hirsefeld, das mangels Regen brach liegt, und ihre 7 Ochsen haben weder Gras noch irgend Stauden zum Fressen; alles ist braun. Traurig zeigte sie mir auf ihrem Handy das abgemagerte Vieh. Unter dem Arm klemmte sie eine runde Sichel und einen Knäuel Schnüre. Sie war gerade auf dem Weg zu einem Grasfeld, das ihr erlaubte, 10 grosse Bündel des dürren, aber recht hohen Grases abzuhauen. Ihre Nachbarin stand daneben und bat mich um einen Moskito Spray; denn so ein Spray hätte doppelte Wirkung: Verscheuchen der Schlangen und aller versteckten Ungeziefer.

Penelao beharrte darauf, ihren alten Job wieder zu erhalten; sie wusste nicht, dass eine Dürre das Farmen unmöglich machte. Seit 7 Monaten kein Regen , nur die sengende Hitze. Aus dem Brunnen konnte sie nur noch den leeren Kübel hochziehen.
Ich fragte sie, ob es möglich wäre, die 7 Ochsen an die Metzgerei zu verkaufen, bevor es zu spät sei; denn für Skelette bekäme sie kaum noch etwas. Ihr Vater hätte bereits so einen Vorschlag gebracht. Doch wovon wird sich die Familie ernähren? Kein Mehl für das tägliche Hirse- Muss, und dazu auch noch kein Wasser.
Falls Penelao den Job im APC wieder erhält, kann sie wenigstens Trinkwasser  vom APC  und von einem Laden  Mehl nach Hause  schicken lassen. Ihr Gehöft liegt 100 km weit vom APC entfernt, und sie selber möchte wieder in ihrer alten Blechhütte in Tsumeb wohnen, oder falls noch Platz im Lehrerhaus, dann würde sie dies vorziehen.

Montag, 18. März 2019

Mein Baby heisst APC


Da ist sie nun mit voller Energie und grossem Enthusiasmus:
Michaela Eyberg aus Wien. Ich muss sie einfach erwähnen; denn so ein pädagogisches Genie hat sich für das APC Zeit genommen, unsere Lehrer und speziell natürlich den jungen Cello Lehrer Muinee in Methodik und Pädagogik weiter zu bringen.
Manchmal zählt die zu unterrichtende Gruppe bis zu 7 Kinder: Wahrlich eine harte Arbeit in dieser andauernden Hitze, und trotzdem bleiben alle in fröhlicher Stimmung! Vor allem, wenn alle vor der Lektion ein wenig Brot bekommen.
Ich habe heute Michaela gefragt, ob ihr die ganze Sache: Hitze, hungrige Kinder, unüberschaubare Zahl von Kindern und Jugendlichen, Lärm und Geldmangel für etwas gesünderes Essen nicht auf das Gemüt schlage. Entrüstet schaute sie mich an:
"Nein, das APC ist doch mein Baby!"