Montag, 29. April 2013

5.Folge: Ein Passgesuch geht aus Reisen

Frühmorgens füllten wir die Pass-Formulare aus. Als wir um 08 Uhr im Home-Affairs ankamen-war die übliche Warteschlange gar nicht so lang- nur etwa 20 Personen standen in der Reihe vor dem Passport Schalter für Namibier Ich hatte keine Geduld, so lange anzustehen, überliess Bongani diese 'Arbeit' und begab mich auf Schaufenstertour. So gegen Mittag kam er mit Gideon angerannt und bat mich um einen Kamm; denn für die Passport Foto darf man kein Käppi tragen, wie Bongani es sich jahraus jahrein gewohnt ist. Also musste er die Haare kämmen, sonst wird das Home Affairs keine Fotos machen. In Eile suchten wir in einem Kaufhaus einen Kamm. Nun war die Frage, wo Bongani sich ungesehen kämmen konnte; denn er schämte sich wegen seines grossen Kopfes. Die beiden Jungen suchten sich eine Ecke hinter einem Kaufladen aus. Während ich eine Foto knipste, rief eine Passantin, was diese beiden Schwulen da in der Öffentlichkeit treiben, geht zu weit. Vor lauter Lachen fiel mir die Fotomaschine zu Boden, und die beiden rannten wie wild auseinander. Gideon hetzte der Passantin nach und schrie ihr ins Gesicht, dass er kein Schwuler sei, er hätte eine Freundin und zwei Kinder. Ein lautes Gezanke zwischen den beiden brach aus, und ich weiss nicht, ob er die Frau geschlagen hätte, wäre ich nicht dazwischen gerannt. Nun gings zurück ins Home-Affairs. Hier wurde uns mitgeteilt, dass die Polizei zuerst zu unterschreiben habe, ob Bongani nie in einen kriminellen Akt verwickelt war.
Die Zeit wurde knapp, in einer Stunde war Schalterschluss. So rannten wir zur nächsten Polizeistelle, die uns mangels Stempels in eine andere Polizeistelle verwies. Wieder ein Gehetze. Da das ganze Spiel für mich langsam zu viel wurde, schob ich dem Polizisten eine Schweizerschokolade hin, und nun gings mit dem Stempeln schnell voran. 5 Minuten vor Schalterschluss erreichten wir das Home-Affairs.

Sonntag, 28. April 2013

4. Folge: Ein Passgesuch geht auf die Reise

In Windhoek angekommen, besuchten wir zuerst den schweizerischen Honorarkonsul, um zu erfahren, ob er das Schengen Formular mit dem Pass  für das Visa-Gesuch dem Schweizer-Botschafter nach Cape-town senden könnte. Doch er schickte uns weiter in ein bestimmtes Reise-Büro , das solche Sachen erledigt und auch das Flugticket bestellen kann. Wir übergaben ihm noch eine unserer neuerstellten APC CD, um damit die Schweizer-Touristen auf unser APC Werk aufmerksam zu machen. Dieser Honorarkonsul führt eines der besten Restaurant in Windhoek, namens Gathemann.
Wir eilten zum Reisebüro. Doch hier erfuhren wir, dass Bongani einen falschen Pass besass: Einen braunen statt einen grünen, der für das Schengen -Visa nötig wäre.
Es wurde ihm mitgeteilt, dass er einen ganz neuen Pass zu beantragen habe. Um einen neuen Pass zu bestellen, muss zuerst die ID-Karte vorgewiesen werden. Bonganis ID-Karte aber befand sich in Tsumeb, in der Handtasche seiner Mutter.
Ich telefonierte einem Nachbarn von Bonganis Mutter und bat ihn, sie ausfindig zu machen, um von ihr die erfragte ID-Karte zu holen. Dies gelang ihm nach 2 Stunden, und dann machte er sich mit einem Taxi auf den Weg nach Windhoek. In der Zwischenzeit genossen wir zuoberst im Hilton die Aussicht mit einem Haufen Fleisch, was erstaunlich billig war. Der Kellner erzählte uns, weshalb man zu dieser Zeit sehr billig Fleisch kaufen kann; denn viele Tiere müssen abgeschossen werden, bevor sie verhungern. Dieses Jahr blieb der Regen aus, und somit gibt es weder Gras noch Wasser.
Danach gingen wir auf die Suche nach einer günstigen Übernachtung.
 Nachts um 11 erschien der Mann mit Bonganis ID-Karte.

Freitag, 26. April 2013

3.Folge: Ein Passport-Gesuch geht auf Reisen

Ende letzten Jahres kam von der Harfenistin Nicola Hanck aus Basel die frohe Botschaft, dass Bongani als Cellist und Selma als Geigerin zum Yehudi Menuhin Jugendorchester, das jedes Jahr in Gstaad stattfindet, eingeladen werden.
So machte Bongani noch mehr Ernst mit dem Passport und telefonierte dem Home-Affairs, ob sein Pass nun abholbereit sei. Leider kam ein NEIN; denn er solle sich gefälligst gedulden. Mitte Januar dieses Jahres rief er wieder an, und wie es so üblich ist in Namibia, heisst es nur immer "Hold on, wir verbinden Dich mit der richtigen Amtsstelle". Und immer klang aus dem Hörer die kleine Nachtmusik von Mozart. Ich weiss nicht, was Mozart damals gesagt hätte, wenn nach Hunderten von Jahren seine Nachtmusik überall auf der Welt  als Trost beim Warten an amtlichen Telefonen erklingen würde.Vielleicht hätte er Lachkrämpfe bekommen.

Nach einer Woche rief ich das Home Affairs selber an und fragte ganz höflich, ob Bongani seinen Pass jetzt endlich bekommen könnte; denn nach der neuen Regel sollten die Leute nicht stundenlang im überhitzten Raum Schlange stehen müssen, um den Pass abzuholen. Nach  6 Wochen sollten die Antragsteller die Pässe sofort erhalten. Erst als ich am Telefon erklärte,wie wichtig es sei, den Pass so schnell wie möglich zu bekommen, da ihn Bongani für die Beantragung des Schengen Visa unbedingt nötig habe, wurde plötzlich alles ernster genommen. Einige Tage später konnte er den Pass abholen gehen.
Letztes Wochenende fuhr Hans Leu fast 200 km von Otjiwarongo nach Tsumeb, um mit Bongani und Selma die Formulare für das nötige Schengen Visa auszufüllen. Bongani war äusserst bemüht, das Visa richtig auszufüllen, doch bei Selma war das Beantragen des Passes sehr kompliziert geworden, da sie immer noch nicht im Besitze  ihres Passes war, und ohne Pass konnte sie am andern Tag nicht mitfahren, um ein Schengen Visa in Windhoek zu beantragen.

2.Folge: Ein Passgesuch geht auf Reisen

Bongani füllte die Formulare fuer das Pass-Gesuch mit grosser Mühe aus. Anschliessend brachte er sie zum Home-Affair (Einwohnerkontrolle) in Tsumeb, wo man ihm mitteilte, dass er zuerst eine Identitätskarte beantragen müsse; dieses Formular hier sei ungültig. Um eine ID Karte zu beantragen, braucht es einen Geburtsschein. So begann er nach diesem Geburtsschein zu suchen. Als er ihn nach einem Monat nicht fand, riet ich ihm, via Taufschein herauszufinden, wann und wo er geboren sein könnte. Bongani wusste nicht, in welcher Kirche er getauft wurde. Es vergingen wieder Wochen, bis er dann im Home-Affair, mit einem Onkel zusammen den Geburtsschein zusammen ausstellen konnte. Dann beantragte er die ID-Karte, die er nach wenigen Tagen gegen eine Bezahlung abholen konnte.
Bongani erhielt im Home-Affairs Tsumeb keine Formulare mehr, um einen Pass zu beantragen. Er musste sie in die nächste Stadt Grootfontain abholen gehen. Es war anfangs Oktober, als er endlich das Geld fuer das Taxi nach Grootfontain aufbrachte. Im Home-Affairs Grootfontain wurde ihm mitgeteilt, dass ihnen die Formulare ausgegangen seien; er solle spaeter wieder kommen. Nach 3 Wochen fuhr er wieder nach Grootfontain, wo ihm die Formulare endlich ausgehändigt werden konnten. Da er im Ausfuellen unsicher war, kam er mit den Formularen nach Tsumeb zurück; denn er brauchte Hilfe.
Ende Oktober brachte er die ausgefüllten Formulare mit Passfotos nach Grootfontain zurück; Tsumeb ist nicht befugt, sich mit Pässen zu befassen. Grootfontain schickte die ausgefüllten Formulare ins Home-Affairs Windhoek und übergab Bongani eine spezielle Nummer, mit der er den Pass später abholen gehen konnte.

Donnerstag, 25. April 2013

Ein Passport-Gesuch geht auf die Reise 1. FOLGE

Letzten August besuchte ich den Zahnarzt in Windhoek.
Als ich diesen Besuch beendet hatte und zum Parkplatz lief, sah ich zufällig direkt gegenüber der Strasse das breitangelegte Gebäude der chinesischen Botschaft, und da ich in der Zeitung las, dass Namibier in China Medizin studieren können, wollte ich wissen, ob China auch Studienplätze fuer Musikanten anbietet. So bat ich in der chin.Botschaft um Einlass.Hier wurde mir mit freundlichstem Lächeln die Anmeldeformulare fuer ein solchen Musikstudium urbegeben.. 1. Bedingung: Ein Passport. Ich wollte nämlich den begabten Bongani, der hier aus der Schule geworfen wurde, wiederfordern.
Südafrika verlangt die Matur dafuer, also kommt ein Studium im Nachbarland nicht in Frage.
In Tsumeb angelangt, kam Bongani dahergelaufen und bettelte mich um etwas Kleingeld an.Ich erzaehlte ihm meine Idee eines Musikstudiums in China und machte ihn darauf aufmerksam, dass er zuerst einen Pass haben müsse.
Am folgenden tag bat er um das Homeaffairs in Tsumeb um Anmeldeformulare fuer einen Pass.

Die zweite File kommt nächstens

Dienstag, 23. April 2013

Wer an der Kultur spart, sündigt gegen die Gesellschaft

In Tsumeb gibts ein sog.Kino mit einer sehr grossen Bühne aus der Zeit, als die Kupfer-mine noch in Betrieb war. Als die Mine schloss, begann die Stadt Tsumeb sich immer mehr in ein Armenhaus zu verwandeln. Auch das Kino wurde verwüstet. Doch eine junge Farnersfrau , kaufte dieses Kino auf und begann es wunderschoen herzurichten mit modernsten Licht-und Tonanlagen.
Nun hat die Farmersfrau Pech:
Letztes Jahr starben auf ihrer Farm alle Kudus und Gazellen an Tollwut. Dieses Jahr blieb der Regen aus, und die Farm verdorrte. Die restlichen Tiere haben kein Futter mehr.
So sah sich die Farmersfrau gezwungen, das Kino zu verkaufen, und zwar dem APC, weil sie dann sicher sein kann, dass es seiner Bestimmung Gemäß, naemlich der Kultur , weiter geführt wird. Nun fehlen dem APC die nötigen 2.3 Millionen N$ (230000.-sfr). Der reichste Mann aus Tsumeb, ein Geschäftsmann, hat sich als Kaeufer angeboten. Doch er will diese Kulturstätte in ein sog.Boutique-Hotel umbauen; was ihm mehr Geld einbringen wird als eine Kulturstätte; schade! Zudem hat es in Tsumeb genuegend gute Hotels, die nicht einmal mehr in der Hochsaison von Touristen voll ausgebucht werden. Was soll da so ein Boutique-Hotel fuer die reichsten Touristen aus aller Welt, waehrend der  eigenen Gemeinschaft, vor allem der Jugend, ein wertvolles Kulturgut verlorengeht.
Vor wenigen Monaten war ich dabei, als in diesem Kino die verschiedensten Jugendgruppen aus Tsumeb ihre Tänze, ihre Akrobatik, ihre Lieder, ihre Dramen und ihre Musik einander darstellen durften. Es war ein wunderbarer Anlass, der die verschiedenen Gruppen näher brachte.
Die APC Buehne und vor allem der Open-Air Zuschauerraum sind fuer solche Anlässe viel zu klein.

Montag, 22. April 2013

Ein Goetti fuer die Harfen- Engel gesucht

Angeblich hatten diese Harfen Engel mich heute den ganzen Nachmittag gesucht; denn sie wollten mich überreden, den angesagten Harfen Workshop während der Ferien trotz der wenigen Anmeldungen durchzuführen. Der Workshop kostet N$ 150.- ( = 15 Euro), was natürlich fuer diese rosaroten Harfen-Engel zu viel war; da sie keine Väter mehr haben, die ihnen diese Kurskosten hätten bezahlen können. So haben sich bloss 3 Kinder angemeldet: Ein Junge aus dem Nachbardorf, ein Mädchen aus Windhoek und die kleine Ailly aus Otjiwarongo.. Ich musste den Kurs absagen und auf die nächste Woche verschieben; so gab ich den Engeln die Möglichkeit, gegen etwas Geld Fenster zu putzen, den Garten zu jäten, die Pflanzen zu bewässern und Botengänge zu besorgen, damit sie einen Teil der Kosten selber bezahlen können. So hoffe ich, den Harfenkurs nächste Woche doch durchführen zu können.
Und wer weiss, wird dieser Eintrag von einem spendenfreudigen Goetti gelesen.