Samstag, 14. Dezember 2019

Musikwoche in Swakopmund


Strassenmusik nach den Lektionen bei starkem Meerwind. Heute Abend beginnt das Konzert in der Aula um 19 Uhr und will end um 22 Uhr 30. Trotz der sehr anstrengenden Woche finden sich unsere aktiven Mädchen am Strassenrand, um die vielen Touristen mit Weihnachtslieder zu erfreuen; und so erhielten die Mädchen viel Geld, was sie für Weihnachten zu Hause gut gebrauchen können.
Der Zufall wollte es, dass es ausgerechnet die ärmsten betraf. Eine gute Sache.

Donnerstag, 12. Dezember 2019

Wann wirkliche Frauen an die Macht kommen, verschwindet der starke Mann


Ein grosser Felsklotz posiert vor einer Lodge in Swakopmund. Die Übernachtung in dieser Lodge sei für Durchschnittsverdienende unbezahlbar. Die Lodge steht auf Pfählen verankert über dem Ozean, und sie schwankt leise mit den Wellen des Meeres. Dieser Mann ist nicht umzubringen, aber die Häuser hinter ihm schwanken.
In der grossen Stadt Walvisbay, die 60 km von Swakopmund entfernt liegt, beginnt die Bevölkerung
aufzustehen und gegen die machtvolle Korruption zu demonstrieren.
Weiter ist da nichts zu erklären: Das Bild und der Titel sagen alles.

Ein Kamel störte meine Mittagsruhe


Heute Mittag wollte ich mich draussen vor dem Bungalow auf einer Bank etwas ausruhen. Kaum war ich eingenickt, wurde ich von einem eigenartigen Geräusch aus der Ruhe geholt. "Träume ich, oder hat sich da wirklich ein Kamel verirrt?" Wir schauten uns lange an, des Tier von oben herab und ich von unten herauf , etwas ängstlich. Allmählich verging die Angst, und ich begann den langen Hals zu streicheln. Zum Glück hatte ich den Fotoapparat dabei, und als ich knipste, zwinkerte es mir mit seinen langen Augenwimpern zu. Sein Gesichtsausdruck schien mir immer mehr gemütlicher zu werden. Am liebsten würde ich dieses Tier nach der Musikwoche hier in Swakopmund nach Tsumeb als Haustier mitnehmen. Auf einmal entdeckte ich eine Herde solcher Tiere daher traben, und hintendrein ein Mann in einem blauen Overall und einem langen Seil, der versuchte, die Kamele in eine Reihe zu bringen, was ihm schwer gelang; denn sie begannen die frischen Äste der Tamariskia Sträucher am Gartenrand abzufressen. Als der Mann mich entdeckte, liess er es, die Tiere zu zügeln. Er kam mir näher und begann ebenfalls mit grossen schwarzen Augen  zu zwinkern, frass zwar keine Äste, sondern bettelte Geld, da er auch etwas hungrig sei. Ich gab ihm etwas, und dann begann er über jedes Tier eine Geschichte zu erzählen.
Das älteste Tier in dieser Herde hier sei schon 70 Jahre alt, erzählte er, und sei dazu erst noch ein Männchen. Da hielt er nochmals seine hohle Hand her, die ich dann mit einigen Münzen füllte, und dann verabschiedeten wir uns, denn ich sollte wieder arbeiten gehen.

Mittwoch, 11. Dezember 2019

Wertvolles Weihnachtsgeschenk für Kinder und Jugendliche


Wer nicht weiss, was man einem Kind oder einem Jugendlichen auf Weihnachten  schenken soll, rate ich an, dieses Buch:"Geschichten aus Namibia" zu geben.
Damit macht der Schenkende jemandem  nicht nur grosse Freude, sondern tut auch dem APC etwas Gutes; denn ein grosser Teil des Buch -Preises geht an unser Entwicklungsprojekt APC in Tsumeb und Oshikuku Namibia.
In diesem Buch sind viele Geschichten, die Kinder und junge Erwachsene aus dem APC erzählten, während sie von Bea Maritz aus der CH und Cecilia Falk aus Wien aufgenommen und von Lioba Happel aus Deutschland ins Deutsche übersetzt wurden. Viele interessante Bilder der APC Kinder lockern die Geschichten auf. Diese Bilder malten die Kinder nach der Methode von Arno Stern aus Paris, die von Bea und Cecilia letztes Jahr während eines Freiwilligen Einsatzes im Mal -Unterricht angewendet haben. (Der Erfolg nach dieser Methode war sehr gross), täglich gesellten sich neue Kinder dazu und wollten nichts als malen.
Das Buch kann per E-mail direkt beim Verlag bestellt werden:

post@pudelundpinscher.ch

Die Geschichten geben einen Eindruck, wie Afrika denkt.

Mit einem herzlichen Dank
Lis Hidber





Dienstag, 10. Dezember 2019

Swakopmunder Musikwoche


Auf der Schnellstrasse nach Swakopmund: Eine unendlich gerade Strecke; um so näher wir ins Wüstengebiet fuhren, umso eigenartigere Steingebilde tauchten am Strassenrand auf.
Noch vor dem Sonnenuntergang erreichten wir Swakopmund. Nach einheimischer Tradition will es der Brauch, dass die Neuankömmlinge einen Schluck des Meerwassers trinken müssen, um im neuen Ort gesegnet zu bleiben. So taten es auch unsere Musikschüler und Lehrer, was bei diesem hohen Wellengang sehr schwierig war, nieder zu knien und eine Handvoll Wasser in den Mund zu schmeissen. Ob ich Angst hätte, diesem Brauch zu folgen, wollten sie wissen. "Nein, das ist für Schweizer nicht üblich. Ich renne da lieber in eine Welle und schwimme mit ihr ans Ufer!" Die Schüler glaubten mir erst, als ich dies heute wirklich tat.

Die Musikwoche ist für alle recht herausfordernd, den ganzen Morgen konsequent üben.
Heute standen sie hungrig auf das Mittagessen wartend um die gemieteten Bungalows.
Wir mieteten 4 Bungalows, und in jedem konnte ich 7 Personen unterbringen.

Diese Musikwoche findet jedes Jahr im Dezember statt.
Die Konzerte sind für die ganze Stadt und die vielen Touristen ein schönes Erlebnis. Es ist hier angenehm kühl, und deshalb verbringen die von der Hitze geplagten Namibier vom Inland ihre Weihnachtsferien oft an dieser Atlantikküste des kalten Benguela Stromes, vor allem jene, die Geld haben.
Diesmal hatte die Regierung uns finanziell sehr unterstützt, und auch die Leitung dieser Musik-Woche schenkte uns den Kursbeitrag; ansonsten hätten wir nicht teilnehmen können.


Sonntag, 8. Dezember 2019

Geheimnis meines Erfolges mit dem APC

immer wieder werde ich gefragt, warum ich mit so einer Passion die harte Arbeit in Namibia immer noch leiste, anstatt mich auszuruhen, und was hatte mich vor 30 Jahren in dieses harsche Land getrieben, da doch die Schweiz so viel bequemer sei. 
Solche Fragen bringen mich in Verlegenheit;denn sie sind kaum zu beantworten. Vielleicht sind es die ganz wenigen Momente aus der Kindheit, die kurz, aber so tief waren, dass sie mich dabei auf eine andere Ebene versetzten, die ich nur in diesen damals erlebten Bildern  zu   beschreiben imstande bin:

1.  Mein Vater setzte eine Schallplatte auf und lehnte sich auf das Sofa in der Stube. Ich setzte mich zu ihm hin. Dann legte er seinen Arm um meine Schultern und fragte mich,  welche Instrumente ich aus dieser Musik erkennen könne. Ich hörte Geigen und vor allem den Herzschlag meines Vaters. Dieser Moment versetzte  mich in eine Atmosphäre unendlicher Sicherheit, die ich nie vergessen habe.

2. Ein weiterer Moment hat mich geprägt: Ich war etwa 8 Jahre alt, als ich mit einigen meiner Geschwister auf dem Estrich ein Theater improvisierte. Plötzlich rief uns die Mutter, herunter zu kommen. Ich aber folgte nicht sofort dem Befehl, weil ich einfach nicht konnte; denn ich drehte einen Hebel an einer alten Schallplattenkiste, und eine wunderschöne Melodie ertönte, die mich entzückte. Es war die kleine Nachtmusik von Mozart. Ein Bruder rief, ein Geist würde mich holen, wenn ich nicht sofort herunterkäme. Ich umklammerte fest die Kiste mit dem linken Arm, während die Rechte weiter kurbelte. Ich genoss diese Musik, und nichts in der Welt konnte mich stören, nicht einmal die Dunkelheit, als einer dieser Brüder die Sicherung ausschraubte. Diese Musik versetzte mich in eine ganz andere Welt, in eine angstfreie, erlöste, helle Atmosphäre.

3. Ich saß in der Gesangsstunde beim 6. Klass Lehrer, den wir wegen seiner Schlägerei oft fürchteten. Er spielte mit einer Hand auf dem Klavier und sang dazu das Lied: Ich hattˋ einen Kameraden, einen besseren findest Du nicht; er hörte plötzlich auf zu singen, und es kollerten Tränen über seine Wangen. Wir durften heimgehen. Es war Spätherbst, auf dem Heimweg schaute ich den letzten Blättern zu, die von den Bäumen fielen. Mich fror es . Zu Hause fragte ich den Vater, ob er mir nicht das Lied: Ich hatt einen Kameraden auf dem Klavier vorspielen und dazu singen würde. „Spielen ja, aber nicht singen.“
Er setzte sich ans Klavier und spielte mit beiden Händen. Es war eindringlich traurig, aber auch schön. Dann erklärte er mir, dass dieses Lied aus der Zeit des Krieges stamme. Warum denn mein Lehrer in der Schule geweint hatte, als er dieses Lied sang, wollte ich wissen. Da lachte mein Vater:“Es ist besser zu weinen, als Schüler zu schlagen“.

So ist meine Antwort auf die Frage, warum ich denn immer noch in Namibia weiter arbeite.

Freitag, 6. Dezember 2019

Darauf haben wir über ein Jahr gewartet


Der Regen ist endlich angekommen.
Die Temperaturen sind um ungefähr 10 Grade gesunken. Es ist so schön, nachts die Regentropfen auf dem Wellblechdach zu hören. Das beruhigt.
Es beruhigt auch, dass einige Minister wegen Selbstbereicherung von Staatsgeldern endlich im Gefängnis hocken.
Namibia's Fische sind noch nicht mit Plastikteilen angereichert, sie kommen aus dem frischen Benguela Meer, aber für die Armen nicht mehr käuflich: denn der Minister für Fischerei hat die Fischerlizenzen an China, Spanien Norwegen  etc. illegal verkauft, und das Geld selber eingesackt. Das Meer ist überfischt, aber nicht von Namibiern. Dieser Minister hockt jetzt auch im Gefängnis.
Die Kühltruhen in den Fischläden sind gähnend leer. Und wir warten auf die Zeit, wo man sich wieder die guten Fische leisten kann. Eine Fischdose mit Sardinen können sich nur noch die obere Mittelschicht und die Reichen leisten.