Samstag, 2. März 2019

Jetzt, wo das Geld ausgeht, kommen so viele Kinder wie noch nie


Wie üblich hielten wir auch diesen Freitag um 17°° ein Schülermeeting, wo die Lernenden ihre persönlichen Vorschläge für die folgende Woche oder auch generelle Regeln einbringen können. Das dient zur Demokratisierung des APC bei. Das war soweit stets gut verlaufen, und die Kinder hatten den Eindruck, ernst genommen zu werden.
Nun aber wird es schwierig. Während einer der Lehrer das Meeting leitete, hatte ich die Gelegenheit, die Anwesenden zu zählen und kam auf die Zahl 130, wobei die Hälfte vor dem Meeting das APC verliessen. Seit Mitte Januar kommen täglich neue Anmeldungen, und ich muss nun Anmeldungen für bestimmte Fächer wie Cello, Keyboard, Gitarre und Marimba zurückweisen, da unsere Lehrer auch nicht mehr Platz in ihren Hütten  haben und zudem methodisch überfordert wären. Ich selber unterrichte täglich 12 Kinder in Piano und sollte zudem das APC leiten. Auch da komme ich langsam an Grenzen: Meine Unterrichtshütte misst  die grösste Temperatur., meistens mehr als 37°, da sie nicht im Schatten eines Baumes steht.
Anschliessend zuhause die vielen Gespräche mit den Jugendlichen und gewissen Lehrern, die wirklich "geschafft" aussehen, und zudem noch Hunger haben.
Warum wollen gerade jetzt so viele Kinder Musik, Malen, Tanzen etc. lernen?
Viele Eltern haben gesehen, dass die Kinder, welche im APC mitmachen, bessere Schulreports erlangen, bessere Jobs bekommen und weniger kriminell werden. Deshalb bringen auch Polizisten vermehrt ihre eigenen Kinder ins APC.
Das tönt ja alles sehr gut. Aber nun kommt der heisse Punkt:
Mehr als die Hälfte der Kinder haben keine Eltern und können kaum die Anmelde - Gebühr von N$ 50.- bezahlen (sfr 4.-); ein Brot kostet gerade einmal sfr.1.10.
Das Ministerium für Erziehung sagt, bankrott zu sein und kann nicht einmal in allen Schulhäusern Toiletten einbauen, geschweige denn Wasserleitungen legen oder unserm APC Geld geben. Es möchte das gerne tun, da es den Wert unserer Erziehung einsieht, aber  eben: Fehlendes Geld.

Unser direktes APC Konto in der CH:
Raiffeisenbank CH Acc.Nr. 58049.01
8887 Mels SG Switzerland
Lid Hidber / APC NAMIBIA
IBAN: CH75 8128 1000 0058 0490 1

Und unser APC Konto direkt in Tsumeb, Namibia:
Standardbank Tsumeb / APC Tsumeb
Acc.No. 04 162 4157
swift code: SBNMNAN XXXX Namibia

Der Dank kommt immer in einer Form zurück, die wir nicht erwarten und erst noch überraschend gut. Das ist meine weise Erfahrung; dafür stehe ich ein.






Dienstag, 26. Februar 2019

Erstaunliche Solidarität


Heute Abend, bevor das APC die Tore schloss, trommelte ich alle Lehrer und Angestellten zu einer kleinen Krisensitzung zusammen.
Ich erklärte, dass unser jetziges APC Geld, das wir zur Verfügung haben, nur noch für 6 Wochen ausreichen wird, und anschliessend sei unser Lohnkonto aufgebraucht. Anschliessend gab ich allen eine Zeit zum stillen Überlegen, (vielleicht wollen einige aussteigen, um irgendwo Arbeit zu suchen, vielleicht wollen sie Ferien machen, bis das Gericht entschieden haben wird, die eingefrorenen Konti frei zu geben, oder vielleicht..ich dachte auch lange nach.)
Nach einer Weile meldete sich die Flötenlehrerin:"Ich bin fürs Weitermachen wie bisher und werde dankbar sein um das wenige Geld, das wir zum Überleben brauchen, wenn wie die restliche Summe auf der Bank teilen, und zwar jedem genau gleichviel!"
Wieder wurde es für eine Weile still; und dann plötzlich hörte ich eine Stimme um die andere sagen, dass dieser erste Vorschlag von der Flötenlehrerin der beste sei.

Sonntag, 24. Februar 2019

Bartholomäus Grill zu lesen: Ein absolutes Muss

Wenn jemand Afrika besuchen kommt, seien es Touristen, Helfer, Missionare, Geschäftsleute, Investoren. Freunde Sucher, Landkäufer oder Ausbeuter, dann ist es ein absolutes Muss, das Buch "Ach, Afrika" von Bartholomäus Grill zu lesen. Es ist erhältlich im Goldmann Taschenbuchverlag
Es ist nicht nur sprachlich ein Genuss, dieses Buch zu lesen, sondern es bietet echte Diamanten. Es ist das Objektivste und Wahrste, das ich je über Afrika gelesen habe, und ich erfahre es täglich.

Samstag, 23. Februar 2019

Die Tage sind voll von Problemen


Dieser Buschmann aus dem ältesten Menschengeschlecht SAN (Treesleeper) kommt in letzter Zeit fast täglich vorbei, schaut mich mit offenen Augen an und lässt die Bemerkung fallen, nimm die nächsten Tage nicht so ernst, auch wenn sie hart sind. Er spricht immer in Rätseln.
Er zeigte mir heute im Garten das tiefe Loch, aus dem jemand die Glückswurzel, die er für mich gepflanzt hatte, gestohlen hatte.
(Das ist die Wurzel, welche eine Ärztin lange suchte). Kein gutes Zeichen für mich, meinte er, doch er werde mir aus der Wüste eine andere Pflanze bringen.

Unsere APC Angestellten haben es im Moment nicht leicht, die Sekretärin lief davon, weil sie mit dem Lohn nicht einverstanden war.
In Oshikuku wollen alle früheren Musiklehrer wieder angestellt werden. Sie hatten eine bezahlte Stelle bei der Regierung (Military Band etc.), aber sie wollen wieder in die APC's zurück. Doch wo
her das Geld? Die Regierung hat sich bankrott erklärt.


Und täglich warten und rufen Strassenkinder um Brot. Gebe ich ihnen etwas, reissen sie es wie hungrige Löwen an sich. Ich begleite sie zum APC, verteile sie unter die fähigsten und stärksten Musiklehrer. Sie nehmen sie an und unterrichten sie, auch wenn ihr Lohn derselbe bleibt.

Zum Dank für ihre zusätzlich und oft harte Arbeit lade ich sie manchmal zu einem Nachtessen  bei mir im Garten ein, wo es viel Fleisch von Wild zu essen gibt, und wo sie übermütig lachen uns singen können. (Leider ist der Fotoapparat etwas defekt, weshalb hier die Gesichter um den Tisch nicht mehr sichtbar gemacht werden können).
Ich habe mir vorgenommen, unsere Lehrer und Lehrerinnen zu Hause zu besuchen, und nach jedem Besuch komme ich etwas bedrückt zurück; den diese Armut, in der sie in ihren selbsterstellten Blechhütten hausen, lässt mich nicht gleichgültig

Samstag, 9. Februar 2019

Im Dunklen angekommen



Der Intercape  Bus brachte um Mitternacht den langersehnten Volontär Mr. Schlögl aus Österreich in Tsumeb an. Die ganze Stadt hatte keinen Strom; und somit war es für den Neuankömmling richtig schwierig, sich in der Wohnung zurecht zu finden.
Herr Schlögl ist Public-Relation Officer und wird während der nächsten 3 Monate helfen, das APC mehr bekannt zu machen
- Über diverse Medien
-  Er wird 2 Lehrlinge für die Public-Relation ausbilden
- Er wird uns helfen, an die richtigen Sponsoren zu gelangen

Sonntag, 3. Februar 2019

neue Harfen Lehrerin im APC


Katja Francis kam nach der Matura zurück ins APC, um Harfe zu unterrichten. Somit bin ich etwas entlastet. Katja zeigt sich als zuverlässig, baut wie gekonnt Schritt für Schritt ihre Lektionen auf und gibt nebenbei selber noch Konzerte. Ihr grosses Talent hat sie von ihrem Vater geerbt, der leider vor Jahren ermordet wurde; doch ihm sendet sie ihre Melodien in den Kosmos.

Freitag, 1. Februar 2019

warum so nachdenklich


Unsere Lehrerinnen stehen schweigend da, denken nach, wie sie ihre Kinder und Jugendgruppen in eine soziale Gruppe führen können, in der jedes einzelne Individuum Verantwortung für einen guten Zusammenhang wahr nehmen kann. Wirklich keine leichte Aufgabe für all unsere jungen Lehrerinnen. Allein in Tsumeb sind wir 9 Lehrerinnen, und jede hat 6 verschiedene Lerngruppen in den verschiedenen Instrumenten und Tanzen zu betreuen. Daneben sind 11
 Lehrer, auch sie denken nach, doch scheinen sie es etwas lockerer zu nehmen.



Der neue Zeichnungslehrer, hinten mit dem Hut, der nach der Methode von Betty Edwards und Aldo Stern unterrichtet, meint, dass seine Gruppen keine Probleme hätten, und dass sie durch sein geeignetes Programm viel lernen. Was ich sehen kann: Die Kinder und Jugendlichen sind beim Zeichnen sehr ruhig und schaffen Werke, die dem Alter überlegen sind.
Ich stelle je länger je mehr fest, dass sich die Qualität des Unterrichts vertieft.