Donnerstag, 9. Februar 2017

Einfach grossartig

Viele Kinder, die letztes Jahr die Pre-Primary-Music-Education abgeschlossen hatten, kamen dieses Jahr wieder zurück ins APC und meldeten sich für Musik Instrumente  an. So entdeckte ich heute auf meinem Rundgang im Geigenhäuschen 9 Kinder im Alter von 7 bis 8 J. Geige spielen. Sie  wurden von ihrem Lehrer Jeremia  (knapp 20 jährig) mit der Gitarre begleitet. Ungeachtet meines Erscheinens und des starken Gewitters draussen spielten sie konzentriert  und beharrlich weiter.
Hätte ich genügend Geld gehabt, hätte ich allen gerne eine Münze hingeworfen.




Und erst die kleine Tshihasche, die mit dem Glissando Üben nicht mehr aufhören wollte. Sie fragte, ob sie dieses Stück nicht am nächsten Konzert spielen dürfe. Ihre Mutter würde sicher zuhören kommen.
" Und der Vater?" fragte ich. " Nein, den kenne ich nicht." Dann spielte sie einfach weiter, ungeachtet der Blitze und des heftigen Donnerns.
Einfach spielen, das macht Freude.

Montag, 6. Februar 2017

Wir nennen das Segen

Die Lehrer-und Lehrerinnen wagen es nicht, in diesem Platzregen heimzugehen: Blitze und Donner fast gleichzeitig und Regen wie aus Gartenschläuchen. Es kommt vor, dass sich die Lehrer mal raufen und streiten, was ich gar nicht so schlecht finde, besser so als nur immer schweigen. Aber jetzt, wo nasse Gefahr droht, sind sie die besten Freunde und haben nur liebe Worte füreinander.







So sieht ein richtiger Platzregen aus.
Da nützen selbst Schirme nichts mehr. Wenn ich von einer Hütte zur andern renne, bin ich so nass, als wäre ich durch einen See geschwommen.
Hinter den Hütten über dem Hag fährt kein Auto mehr; denn die Strasse hat sich in Minuten zu einem Fluss verwandelt.










Unsere Lehrer hüllten sich heute in Abfallsäcke und sangen ein Spottlied über sich selber: Wenn wir morgen nicht mehr ins APC kommen, soll ich wissen, dass sie auf dem Weg nach Hause von der Müllabfuhr abgefangen wurden.



Sonntag, 5. Februar 2017

Gestohlene Postsendungen



Im Dezember 2016 verdankte ich all meine Spenden mit einem Brief oder Kalender aus Namibia. Auch wenn ich alles per Airmail geschickt hatte, kam die meiste Post bis heute gar nicht an. Als ich in der Post anfragte, warum die Sendungen die Schweiz und Österreich nicht erreichten, wurde ich mit folgenden Worten vertröstet: In Johannesburg werde viel gestohlen. Ich bezweifelte diese Antwort, da ich speziell die schönen Kalender nicht über Johannesburg geschickt hatte.
Heute las ich in der Zeitung " Allgemeine", dass in den Strassenböschungen von Windhoek zum Flughafen sehr viele Briefumschläge gesehen wurden; alles weggeworfene Postsachen, die schon längst in Europa hätten ankommen müssen.
Nun möchte ich den Hauptsponsoren des APC Tsumeb ( Lucia Haselbacher-Hidber  CH, Martin Pfanner AU, Charlotte Obrist CH, Judith Waldschütz AU, Judith Hidber -de Rocchi CH), denen ich einen Kalender anfangs letzten Dezember geschickt habe, nochmals danken und mich für diese Räuberei in Namibia entschuldigen.
Wir können nun sehen, wie das APC mit seiner Erziehung über das Medium Kunst,  Strassenkindern
die Möglichkeit gibt, sich zu guten und kreativen Menschen zu entwickeln.
Da Namibia eines der Länder mit der höchsten Jugendkriminalität, Prostitution und Alkoholmissbrauch ist, wurde eben heute in den Nachrichten ein Appell an die Jugend durchgegeben,  nicht mehr die Bars hinter jeder Hausecke zu besuchen, sondern sich an kreativen Aktivitäten und Sport zu das ideale Zentrum der interessantesten  Kreativität für Kinder und Jugendliche.
Doch es fehlt uns an Geld, das APC weiter auszubauen, und der Staat hat sich beinahe bankrott erklärt.    
Fortsetzung folgt nächstens

Montag, 30. Januar 2017

APC sucht Sponsor/innen

Eine schöne Schulhalle mit Hunderten von Schülern und Schülerinnen sitzen morgens früh um 07°° mäuschenstill und hören dem Harfenspiel der beiden Mädchen Katja und Karina zu. Anschliessend spielt das String Ensemble und das Bläserquintett. Die Wirkung hats getan: Das APC wird bewundert und hat unter den Zuhörern Neugierde geweckt; denn nun kommen die vielen Fragen: Wo ist das APC, wer unterrichtet, wieviel müssen wir bezahlen etc. Und genau hier fangen wir mit der Diskussion an: Das APC ist ein starkes Erziehungsprojekt; denn über das Medium Kunst werden die Jungen erreicht, vor allem hier in Afrika. Darum versuchen wir, dieses APC zuerst in allen Schulen
bekannt zu machen. Ich hoffe, anschliessend dort zu spielen, wo die reichen Leute geschäften, um besser an direkte Sponsoren zu gelangen.

Sonntag, 22. Januar 2017

103 Jahre alt

Der Gitarrenlehrer erzählte mir heute Geschichten seines Urgrossvaters, auf den er sehr stolz sei, und den er nachahmen möchte.
An Ostern wird der 103.Geburtstag dieses Urgrossvaters gefeiert. Ich zweifelte an der richtigen Aufzeichnung dieses Alters; doch dieser Grossenkel hier erzählte mir, dass der Urgrossvater vor der Zeit des Herero Krieges geboren wurde, der im Jahre 1905 begann. Also könnte das Alter ungefähr stimmen; denn man zählte damals nicht die Jahre, sondern die Ereignisse, an welchen  ein Mensch geboren wurde. Hier sagt man, dass jemand, der im 2. Weltkrieg geboren wurde, ca.77 Jahre alt sei.
Der Gitarrenlehrer erzählte mir weiter, dass dieser Urgrossvater nie krank war, sich gesund ernährte und täglich einige Km lief, um das Feuerholz zu sammeln. Noch heute trüge er ein Bündel Holz schnurgerade auf dem Kopf nach Hause.
Diese Frau hier im Bild sehe ich täglich beim APC Gate vorbeilaufen. Sie verkauft das Holz, aus dessen Erlös sie den Lebensunterhalt bestreitet.

Freitag, 20. Januar 2017

Malaria hat sie lahmgelegt

"Warum spielt das Mädchen nicht mit?"
Malaria hat das Mädchen müde gemacht, es friert, auch wenn das Wetter heiss ist.
Wenn die Kinder nach den Musik-und Mal-Lektionen noch nicht heimgehen wollen, haben sie Gelegenheit, sich mit Spielen zu beschäftigen. Dank der Lego-steine, welche uns von Spendern der Schweiz und aus Deutschland vor 3 Jahren zugeschickt wurden,  wird  das Spielen sehr kreativ.

Sonntag, 15. Januar 2017

Aus dem Ausflug wird eine Hetze

Zum Nachtessen für 70 amerikanische Touristen
spielten und tanzten unsere APC Leute in der berühmten Mokuti Lodge.
Wie kam das?
Kurz nach dem ich das Werbeplakat fürs APC in der Mokuti Lodge angehängt hatte, bestürmte mich der Manager und bat, heute Abend doch ein Konzert mit den Marimben für diese vielen Amerikaner hier zu geben. Ich zögerte, denn ich dachte, dass es so unerwartet kaum möglich sei, die Spieler in Tsumeb zusammen zu trommeln. Da bekam der Manager Verstärkung von der Reiseleiterin, die mich dringend bat, ein afrikanisches Konzert, so wie es auf dem Plakat dort steht, für die vielen Gäste zu geben, nur eine halbe Stunde. Wir wollen gut bezahlen, versicherte sie. Dann fuhr ich die 110 km zurück, telefonierte dem Lehrer der Marimbagruppe. Ich bat ihn, mir beim Zusammenrufen der Spieler zu helfen. Das sei nicht nötig, denn sie seien schon längst im APC, um zu schwatzen und zu üben.
In Eile luden wir die Instrumente in den Anhänger, zogen die Uniformen an und fuhren zur Mokuti Lodge. Gerade hatten wir die Instrumente im Dinner-Raum aufgestellt und eingespielt, ging das Tor auf, und mit Staunen wippten die vielen Gäste zu den Trommeln und Marimba-Rhythmen herein,  in den Händen gefüllte Weingläser haltend. Nach einer halben Stunde wollten wir eine Pause einschalten, doch der Applaus nahm kein Ende, und wir mussten weiterspielen. Nach einer weiteren Stunde, servierten uns die Kellner alle Delikatessen. Dann konnte der Applaus die Spieler nicht mehr weiter antreiben; denn sie stützten sich wie Raubkatzen zu den Tellern. Seit gestern hatten sie doch nichts gegessen. Ein Kellner fragte uns so heimlich, ob er die Marimba hinaustragen dürfe; denn er sei müde und wolle heim gehen. Ja, meinte der Marimba Lehrer, während wir den 2. Teller essen werden, könne er doch die Marimba hinaustragen. Ou, burumbumbu boys (Lumpengesindel), rief der Kellner zurück. Da kam die Reiseleiterin mit einem Couvert, das sie mir dankend überreichte und bat die Kellner um einen 2.Teller .
Nun waren die Spieler und Tänzerinnen satt und wollten sich auf die schönen Leder-Bänke hinlegen. Jetzt wird heimgegangen, befahl ich; denn ich wusste um die Schwierigkeit, die einmal Eingeschlafenen zu wecken. Das Verpacken der Marimben in den Anhänger war eine Qual; denn die abertausenden von fliegenden Termiten schwirrten einem um die Augen und krochen unter die Kleider, wir hatten mehr zu tun mit dem Abschütteln dieser Viecher als mit dem sorgfältigen Einladen der Instrumente. Nach langem gings endlich um Mitternacht dem Heimweg zu. Das Fahren war schwierig; denn im  Regen bei dieser fettverschmierten Schutzscheibe zu fahren, war nicht ungefährlich. Diese fliegenden Moskiten surrten  dem Auto -Licht nach, platzten mit ihren fetten Leibern gegen die Scheibe. Diese Strecke von der Etoscha nach Tsumeb ist bekannt wegen der überquerenden Wildtiere, und so musste ich die 110 km sehr langsam fahren. Die Geisterfahrt begann aber erst in Tsumeb selber, als ich jeden Spieler und jede Tänzerin bis zur sog.Haustüre im Blechhüttenviertel abladen musste; denn es ist sehr gefährlich, speziell für die Mädchen, sich durch die unheimlich dunklen und engen Gassen zu begeben. Einige kannten ihre Hütten nicht mehr, und so verloren wir noch mehr Zeit mit Hin-und Rückwärtsfahren, bis vielleicht die richtige Hütte gefunden wurde.