Sonntag, 1. Januar 2017

Intervew mit der neuen PPME-Lehrerin oder Steilauf-Karriere

Rechts: Rauna Shifidi,  (32 jährig) für die Pre-Primary Musik-Education seit 5 Jahren zuständig. Sie hat im letzten Jahr geheiratet und erwartet ein Kind.
Interview mit der 28 jährigen Helen, links im Bild:
Lis: Wie bist Du auf das APC gestossen?
Helen:Ich habe gehört, dass hier Tanzunterricht geboten wird, und in diesem Unterricht möchte ich als Trommlerin mitmachen.
Lis: Wo hast Du das Trommeln gelernt?
Helen:Ich als San-Damara kann es von Natur aus.
Lis: Was hast Du bis jetzt gemacht?
Helen:Weil meine Eltern arm waren, konnte ich keine Schule besuchen und half zuhause pflanzen, waschen, meine Geschwister erziehen und kochen.
Lis: Kannst Du ein wenig lesen und schreiben?
Helen: Als ich später sah, wie meine Kameradinnen Zeitungen lasen, fühlte ich mich immer von ihnen ausgeschlossen. Ich war plötzlich alleine gelassen. Meine Mutter sagte mir, dass ich einen Job suchen müsse. Ich fand in Oshakati eine Tanzgruppe und fragte die Leiterin an, ob sie mich als Trommlerin brauchen könnte.
Lis: Wie lange warst Du dort Trommlerin?
Helen: Einige Jahre; und in der Freizeit lernte ich selber die Buchstaben, setzte sie zu Wörtern zusammen, und so lernte ich selber  das einfache Lesen. Ich hatte oft Hunger und konnte der Mutter kein Geld heimbringen, weil mich die Leiterin der Tanzgruppe nicht bezahlte.
Lis: Bist Du deswegen von Oshakati weggegangen?
Helen: Ja; denn ich will einen Job, von dem man Geld verdient.
Lis: Gut, wir können Dich als Trommlerin und als Kontrolleurin für die Einhaltung der Stundenpläne vorläufig anstellen. Hier wirst Du einen Lohn bekommen.
Helen: Dann kann ich meinen Freund, der trinkt und mich schlägt, verlassen?
Lis: Sicher, jag ihn zum Teufel, ich habe für Dich einen schönen Raum im Lehrerinnen Haus.
Helen umarmte mich mit Tränen.

Helen hatte nun ein Jahr lang ihre Arbeit sehr zuverlässig und mit Freude ausgeführt. Als sie sah, dass eine andere Angestellte das Toilettenputzen so vernachlässigte, dass ich jedesmal, wenn Touristen ins APC kamen, die Toilettentüre abschliessen ging, nahm sie das Putzmaterial und begann jeden Morgen diese Toiletten so zu reinigen, dass jeder Besucher und jede Besucherin die Frage stellte:"Wie ist es möglich, in Afrika, wo so viele Kinder herum rennen, so glänzende Toiletten anzutreffen?"
Ich sah, wie Helen unaufgefordert den Kleinen beibrachte, wie die Toiletten zu gebrauchen sind, wie sie die Hände zu waschen haben, wie man richtigen Kaffee und Tee den Konzert-Besuchern anbietet, und wie Helen freundlich zu allen im APC ist, zögerte ich nicht, sie weiter zu fördern und ihr die Arbeitsstelle als Lehrerin für die Pre-Primary Musik Education anzubieten.
Die Frage bleibt nur: Kommen genügend gute Volontärinnen, welche sich in diesem Fach auskennen, und die Helen, sowie auch Rauna, weiter bringen können?

Das APC musste vergrössert werden

Wo wollen wir ein neues Haus hinsetzen, um nicht das bestehende Bild dieses Gartens zu zerstören? Nach langem Suchen kam uns die Idee:"Warum nicht aus einem der 5 Freilufthütten, so wie diese rechts im Vordergrund zu sehen ist, durch Hochziehen, Verlängern und Ummauern, ein neues , grösseres Haus zu bauen?"
Und wem geben wir diesen Bauauftrag? Das war recht schwierig; denn ich holte verschiedene Kostenvoranschläge ein, fragte mich bei den Leuten um, wer nicht betrügt und doch gut bauten kann. Bei den Armen bekommt man oft gute Ratschläge; denn die wissen nur zu gut,  wer sich ungerecht bereichert. Da brachte einer einen teuren Kostenvoranschlag. Der Mann war voll behangen mit goldenen Ketten und Ringen. Er habe professionelle Maurer. Die Armen rieten mir ab und sagten, das sei so einer, der selber vom Bauen nichts versteht, gute Pläne herstellen lässt, aber seine Arbeiter nur mit einem Hungerlohn bezahle. Ein anderer Mann in zerlöchertem T-shirt kam mit einem sehr billigeren Kostenvoranschlag. Ob er wohl ein Trinker ist? dachte ich mir; dann wird nichts zu Ende gebaut und am Schluss fallen die Mauern ein. Aber es wurde mir geraten, diesen Mann anzustellen; denn er habe die Uris Lodge gebaut. Wenn einer die Uris Lodge bauen konnte, dann versteht er wirklich etwas; denn diese ist mehr als nur eine Luxus-Lodges nahe der Etoscha-Pfanne.
Ich sagte diesem Mann zu, und nach 5 Tagen stand das Haus mit festem Fundament.
Das wird der Raum für die 2. Gruppe der Pre-Primary Music-Education sein; denn immer mehr Eltern entdecken, wie wichtig eine möglichst frühe Musik-und Arts-Erziehung für ihre Kleinen ist. So wurden viele 4 bis 6 Jährige
für das Jahr 2017 angemeldet.
Die Lehrerin Helen Ames, die bei uns als Putzerin und Kontrolleurin der zeitgerechten Einhaltung von Lektionen der Musiklehrer/innen im 2016 angestellt war, wird nun zur PPME-(Pre-Primary Music-Education) ausgebildet. Sie ist sehr zuverlässig und ziemlich intelligent.
Aber wer begleitet sie weiter in ihrer Arbeit?

Sonntag, 25. Dezember 2016

Weihnachtsgeschenk

letzten Dienstag wartete ich in Grootfontain, ca 70 km von Tsumeb entfernt, auf meinen Wagen, den ich für das Anbringen von neuen Bremsen in die Garage brachte. Eine Stunde hätte ich zu warten, hiess es, aber der Wagen war erst nach dem langen, heissen Nachmittag wieder fahrbar. Ich hörte die langsam vorbei schlendernden Leute einander eine frohe, regnerische Weihnachten wünschen. Nass vor Schweiss fuhr ich geblendet vom untergehenden und  grässlich leuchtenden Feuerball Tsumeb zu. Eine Hitze, wie ich sie in Namibia noch nie erlebt hatte, und dies noch 2 Tage länger. Hätte ich mehr Zeit, würde ich über Weihnachten an die kühle Küste nach Swakopmund fahren.
Doch heute wurde ich von Donnern aufgeweckt. Ich rannte hinaus, watete in das Wasser, das als Fluss die Strasse hinunter hinunterfloss. So ein schönes Weihnachtsgeschenk: Im Hintergrund mein gelbes Haus, das von einem herrlichen See umgeben ist.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Das gemischte Jugendorchester in Swakopmund


Etwas über 50 Kinder und Jugendliche spielen in der Musikaula der Swakopmunder höheren Ober- Schule "Den Karneval der Tiere" von Camille Saint Säens, dirigiert von Hendi Krock, einer sehr humorvollen und kompetenten Dirigentin. Es macht allen viel Freude, auch wenn sie nach der Probe ziemlich müde sind.

Samstag, 10. Dezember 2016

internat. Musik Workshop in Swakopmund

Zur Eröffnung hat das APC folgendes kurzes Musikdrama aufgeführt:
Zwei Jungens kamen im Handstand aus die Bühne, während sie von Afrika.Trommeln begleitet wurden. Ein Teufel stellte wild tanzend und frohlockend mit einer Alkoholflasche  das Leben dar. Plötzlich ein Gong, der Teufel fiel um, zwei Engel kommen auf die Bühne und spielten Harfe,; da kam  der Sprecher herein und stoppte diese Heuchler Engel weiter zu spielen; denn was sollten diese schönen Klänge bedeuten, wenn Namibia im Alkohol versinkt?."Lasst uns diese missliche Situation ändern, erst dann können wir weiterspielen". Anschliessend stimmten die 24 anwesenden APC Teilnehmer/innen mit all ihren verschiedenen Instrumenten das Lied:"Dona nobis pacem".
Der Applaus war gross, man hatte die Botschaft verstanden.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

2 weiter Unterrichts-Hütten gerüstet

Das Strohdach auf den Pfählen (links) ist nun bezugsbereit als Freiluft Unterrichtsraum. Boden und Bänke müssen noch eingebaut werden.












und hier unten ein ziemlich grosses Dach auf 6 starken Pfählen. Hier werden wir die Mauern mit 2 Fenstern und Eingangs -Türe bauen. Die Schwierigkeit wird immer der Boden sein, der termitensicher gepflastert werden muss.

Ohne APC wären wir heute Müllfrauen

Heute Abend besuchten mich überraschend die beiden früheren APC Lehrerinnen Consi (left) und Delicia (rechts), um mich im nächsten Restaurant zu einem Drink einzuladen. Sie waren mit dem Polizei-Bus unterwegs zu einer Performance. Sie bedauerten sehr, nicht mehr im APC zu arbeiten, doch seien sie heute dem APC einen tiefen Dank schuldig; denn ohne das APC wären sie heute Müllfrauen , d.h. Frauen mit vielen unerwünschten Kindern, die in den Mülltonnen nach Nahrung wühlen. Nun spielen beide in der Polizei-Band in Windhoek, und Delicia ist die 2. Höchste in dieser grossen Band , d.h. sie organisiert die Konzerte und ist für die ganze Logistik zuständig. Beide Frauen sind sehr aufgestellt und  fähig, ihren Alltag positiv zu gestalten. Sie sind 28 Jahre alt und freuen sich, dort zu sein, wo sie heute sind, so sagten sie mir und baten mich, auch vielen andern Mädchen so eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen.
So ein positives Echo freut mich natürlich, doch die schleichende Angst packt mich, wenn ich sehe, dass die Sponsoren in Europa gegenüber Afrika langsam abnehmen.
Ich las einen Zeitungsartikel von einem afrikanischen Denker, der Folgende Gedanken schrieb:
Soll Europa gerettet bleiben, muss es zuerst Afrika retten.
Darum meinen höflichen Aufruf an die Leserinnen und Leser:
Eine willkommene Weihnachtsspende für die Chancen schwarzer Mädchen und Jungen für ein solches Leben wie Delicia und Consi:
Raiffeisenbank CH 8887 Mels / SG
Lis Hider / APC / Namibia
IBAN CH75 8128 1000 0058 0490 1