Sonntag, 30. April 2017

Hier sind sie aber fleissig

Keine Zeit zum Sitzen. Nach der Orchesterprobe gibts Brot, Butter und Kaffee, und da scheint jede schnelle Handhabung lebenswichtig zu sein; schliesslich könnte der andere mir den Zucker wegnehmen.
 Erst wenn ich meine Brot in meinem Teller gesichert habe, lässt die Situation das Sitzen zu. Und dann wird so genüsslich gegessen, nichts wird geredet. Erst wenn der Kaffee den letzten Bissen hinuntergespült hat, beginnen die vielen Fragen und Diskussionen, ein wichtiger Teil des Tages.
Noch eine leise Bitte an die Leser und Leserinnen:
Vielleicht lässt sich jemand stören von den klirrenden Metallmünzen in der Jacken- oder Hosen-Tasche.Dann würde ich dem ein Ende setzen, die Münzen in eine Schachtel werfen, und sie am Ende des Monats an die Brotspende des APC-Orchesters senden. Da gibt es ein Konto in der CH:
Raiffeisenbank CH 8887 Mels / SG
Mrs. Lis Hider / APC-Namibia  IBAN: CH75 8128 1000 0058 0490 1
Zum voraus schon herzlichen Dank für die störenden Münzen. Lis

Was ist typisch für Afrika?

Es gibt so viele Urteile:" Das ist typisch Afrika!" Und meistens sind sie widerlegbar.
Doch eines trifft:" Wenn wenige schaffen und viele gaffen," dann sind wir in Afrika.

Kürzlich haben wir APC Angestellten beschlossen, nach dem letzten Regen den Gehsteig rund um das APC vom gross gewachsenen Unkraut zu befreien. Während ich glaubte, dass alle 22 Leute sich am Jäten beteiligten, und sich nicht nur die beiden Volontärinnen und ich beugten, um die Pflanzen mit den harten Wurzeln auszureissen, hielt ein Taxi Fahrer an, knipste Fotos und schrie, dass er diese Foto an die Zeitungsredaktion senden werde mit dem Titel:"Wir faulen Afrikaner und daneben die fleissigen Volontärinnen." Er hupte und lachte überlaut, so dass alle Vorbeigehenden dieses Schauspiel sehen mussten.
Alle lachten, am meisten über sich; was auch typisch für Afrika zutrifft: Humor!

Freitag, 28. April 2017

Eine ganz besondere Woche

Da erschienen Herrn und Frau Niklaus und Seraina Labhard mit ihren 3 kleinen Mädchen im APC und blieben 2 Tage hier in Tsumeb, weil sie dieses Projekt APC gut fanden. Diese Familie stammt aus Basel und wurde von der Harfenistin Nikola Hanck, die hier schon 2 mal die Harp-Angels unterrichtete, auf uns aufmerksam gemacht.
Kaum war diese Familie weiter gereist, kam so ganz unerwartet wieder eine Familie aus der Ch, diesmal aus Emetten, mit dem berühmten Reiseleiter Rene zu Besuch. Auch dieser Familie gaben unsere Jugendlichen mit Freuden ein Konzert. Dazu gibts noch eine kurze Geschichte: Vor 7 Jahren traf ich Rene das 1.mal im APC, und ich wollte ihm damals die ersten Blechhütten im Armenviertel von Tsumeb zeigen. Kaum waren wir dort, rannte eine Frau, die bereits die Geburtswehen spürte, zu mir und bat mich dringend, sie ins Spital zu fahren. Beim Spital angelangt, half ihr Rene bis zur Gebärabteilung. Ausnahmsweise waren die Nursen sehr freundlich und bedienten die Gebärende mit Respekt. Die dachten nämlich, dass Rene der Vater sein muss. Nach kurzer Zeit wurde Rene mitgeteilt, dass das Neugeborene ein Mädchen sei, und die Mutter hätte es gleich Rene genannt. So war Rene zum Vater erklärt geworden.

Bei diesem Besuch wollten wir das Mädchen Rene besuchen gehen, doch in dem sich weit ausgebreiteten Blechhüttenviertel ist es fast unmöglich, ein Mädchen namens Rene zu finden. Ein Junge sagte mir, dass ein Mädchen mit diesem Namen die 1.Primarklasse besuche; aber wegen der Ferien ist das Suchen nicht möglich. Ich werde nach den Ferien die Schulleiterin nach Rene fragen.
Der "Vater" Rene brachte uns ein Musik Instrument mit, welches wir schon seit Jahren wünschten: Ein Piccolo. Heute übte eine APC Lehrerin den ganzen Abend damit; denn sie will im APC Orchester mit diesem Piccolo mitspielen..

Kaum war Rene mit dem Besuch weitergereist, erschienen 2 junge Musiker im APC, das sie beim Vorbeifahren ganz zufällig entdeckten. Während ich in der Küche Piano unterrichtete, hörte ich schöne Jazzmusik. Ich ging ihr nach und entdeckte dieses Bild:
Ein Musiklehrer namens Simon, der in Bern Posaune unterrichtet (ganz hinten) und eine Musikerin, namens Alina (links), die das Violin Studium  in Bern abschloss). Die beiden improvisierten den ganzen Nachmittag mit den Marimba Boys. Es kamen immer mehr Jugendliche dazu, welche plötzlich auch mit Violin, Trompete und Posaune dazu improvisierten.  Es entstand eine wunderbare Harmonie im Haus.
Diese Woche nehmen 5 Lehrer/innen aus dem APC Oshikuku an einem Workshop, den unsere Lehrer  veranstalteten teil.

Frohgelaunt und ausgelassen

Wir hören, dass es so viele Afrikaner gibt, denen es in Afrika so schlecht geht, dass sie den Kontinent  verlassen und unter Lebensgefahr wegrennen.
Wir hier aber werden nie in ein anderes Land ziehen; denn das Musizieren hält uns hier fest zusammen. Die Musik kann uns niemand wegnehmen, selbst der Präsident nicht.

Das ist wahr: Niemand kann unsern Jugendlichen, die schon stundenlang während der Ferien im APC  miteinander musizieren, die Musik wegnehmen.
Und oft wird das APC von Touristen besucht. Diese sind jeweils hell begeistert von der Fröhlichkeit dieser Jugendlichen.
Und wenn sie von diesen Besuchern nach einem kleinen, unerwarteten Konzert noch einige Batzen erhalten, ist alles perfekt. Die Jungen werden morgen wieder kommen, und somit sind sie vor schlechten Freunden und Strasseneinflüssen  am besten bewahrt.

Da gefällt es mir

Da gefällt es uns.
Das App könnte jetzt eigentlich auch schließen und 5 Wochen Ferien machen wie die Schulen rund herum. Aber das wollen die meisten Schüler und Schülerinnen im APC nicht. Wie diese Pubertierenden hier Freude beim Musizieren zeigen, und am Abend noch 120 km in die Mokuti Lodge (eingangsEtosha-Pfanne) fahren, um dort für die vielen Touristen während des Nachtessens zu spielen und zu tanzen.
Es gibt auch das in Afrika: Menschen, die sich trotz der Armut zurecht finden, es sich gut einrichten, wo sie zu zusammen mit Musizieren fröhlich sein können und nie an ein Wegrennen denken.
, weil es ihnen zu sehr gefällt.

Dienstag, 18. April 2017

Der gelbe Gärtner

Heute morgen kniete der APC Gärtner, eine grosse Schere in der Hand haltend, im Gras, das er wahrscheinlich im Sinne hatte, zu schneiden; aber er schnitt nie, und da er wie versteinert erschien, ging ich zu ihm hin, um zu wissen, warum er einfach nicht schnitt. Mühsam stand er auf und erklärte mir, dass die Nurse, die seine Lunge geröntgt hatte, ihn als schwer TB krank erklärte und viele Tabletten gab. Er zog aus der Hosentasche  Tabletten und sagte, dass er jeden Tag einige davon schlucken müsse. Sein sonst hellbraunes Gesicht war gelb.
 Ich schickte ihn ins Spital zurück und erklärte, dass er bei der Social Security Commission angemeldet sei und von dort den Lohn erhalten werde, auch wenn er nicht arbeite. Er bedankte sich mehrmals und ging.

Sonntag, 16. April 2017

Zur Nachahmung empfohlen, Schweizerqualität



Das hat mich als Schweizerin doppelt gefreut, dass sich Frauen in meinem Heimatort für mein Projekt in Afrika einsetzten, die Idee hatten, am Palmsonntag anstelle einer grossen Mahlzeit zuhause oder in einem Restaurant, für die Gemeinde Suppe und Dessert anzubieten und den Erlös an das APC, dem Erziehungsprojekt für benachteiligte Kinder und Jugendliche über das Medium Kunst und Kultur zu geben.
Ich weiss, wie ich dieses Geld einzusetzen habe, und ich weiss, welche positiven Resultate zu erwarten sind.