Dienstag, 19. November 2019

der Himmel hängt voller kleiner Teufel

Der Gärtner kann es nicht verstehen, dass es einfach nicht regnen will, und es täglich heisser wird.
"Das hat mit dem Teufel zu tun," meinte er und führte mit einer verbitterten Miene aus:"Der Teufel hat voller kleiner Teufel gegen den Himmel geschickt, die jetzt über uns herumschwirren und die Wolken vertreiben." "Diese Teufel sind wir Menschen, die unsere Erde zerstören, "antwortete ich. Das verstand er nicht mehr und ging.

Er wollte auch nicht mehr hören, als einige sagten: "Wenn wir noch die letzten Bäume fällen, um deren Stämme für die Umhagungen der Kraals missbrauchen, müssen wir nicht mehr über die Hitze  klagen."

Und die Violinistin Martha, die für ihr fröhliches Lachen bekannt ist, lacht nicht mehr auf dem 3 km lagen Schulweg ohne Wasser . Das Geld ihrer Mutter reicht für das Wasser nicht mehr. Sie kommt aber ins APC, um Wasser trinken zu können, und dann mag sie 2 Stunden lang üben.

Sonntag, 17. November 2019

3 verschiedene Trommler


Der Mann lins ist mein Bruder Ignaz, der einen Kindergarten für San people im Südosten Namibias auf-bauen half, alles nur mit Solar-Panels betrieben. Rechts davon ein holländischer Schweizer, der ebenfalls half, den Kindergarten mit den Einheimischen aufzubauen . In der Mitte der stolze , ewig präsente Trommler aus reinem Kupfer, erstellt von einem Simbabwe-Künstler, der die ganze Figur nur aus weggeworfenen Kupferteilen zusammenschweisste. Dieser Trommler steht direkt hinter dem Eingangstor und kann somit alles beobachten, was da ein-und ausgeht, und was da alles so läuft.

Donnerstag, 14. November 2019

Eigenartiges Kunstverständnis


Eine junge Dame aus Zimbabwe hat sich im APC für die Stelle einer Kunstlehrerin.
Eines Nachts klopfte der Nachtwächter bei mir an und übergab mir eine Dame mit reichlich viel Gepäck. Das sei die neue Kunstlehrerin fürs APC. Sie ist scheu und spricht so leise. Doch als ich sie fragte, ob sie etwas gegessen hätte, wurde die Stimme laut:"NO!" So musste ich ihr etwas kochen, am liebsten Fleisch.
Am andern Tag gab ich ihr die Aufgabe, eine Wurst und ein Ice auf die Kiosk Tür zu zeichnen. Doch sie sagte entschieden, dass weder zeichnen noch malen könne, aber sie hätte Diplome für Singen und Theaterchoreographie.
"Ich brauche einen Zeichnungslehrer", sagte ich ihr. "Kein Problem, " meinte sie, " dann gehe sie in 2 Wochen wieder nach Bulawayo zurück, um ein Zeichnungsdiplom zu erwerben, aber jetzt könne sie doch für 2 Wochen Theater unterrichten. Also gut! Es blieb mir nichts anderes übrig angesichts der totalen Armut in ihrer Heimat.
Hier auf dem Bild kriechen Kinder und blöcken wie Schafe. Hinter her der gute Hirte mit einem langen Stock, der gerne die Schafe schlagen möchte. Aber jedes Mal, wenn der Junge den Stecken hebt, schreien alle genau auf die Sekunde laut auf. Er schlägt nicht, wenn ein Schaf ein positives Wort schreit z.B: Ehrlichkeit oder Verzeihen etc. Er schlägt aber, wenn ein Kind ein negatives Wort schreit wie Geiz, Zorn etc.
Am Schluss fragte sie die Kinder, was sie aus diesem Drama gelernt hätten, und die Kleinen zählten die guten Haltungen auf, die sie lernen sollten.
Und ich sagte, dass sie so ein Theater besser mit dem Mörderteam des Robert Mugabe hätte früher aufführen sollen, dann würden heute Millionen von Zimbabwern ein besseres Leben haben.

Sonntag, 10. November 2019

Das Gericht hat sich für das APC entschieden

Seit Anfang dieses Jahres hat ein Schurke von der Stadtverwaltung die Lizenz für eine Bierbude direkt gegenüber des APC erhalten. Er stellte seine überdimensionierten Lautsprecher draussen auf die höchste Volumenstärke auf, und dieser Dumm-Bumm Lärm raubte nicht nur den vielen Nachbarn den Schlaf, sondern störte unsern APC Betrieb, sodass wir kaum mehr imstande waren, zu unterrichten. Im unweit davon gelegenen Spital konnten die Patienten keine Ruhe mehr finden. Ich rief oft die Polizei nach Mitternacht um Hilfe an, diesen Lärm zu stoppen. Als das nichts half, schrieb ich Klagen an das Gericht. Auch dem Polizeichef schrieb ich, dass dieser unzumutbare Lärm die Entwicklung vieler Kinder und Jugendlichen verhindere und den Alkoholmissbrauch mit den kriminellen Folgen fördere.
Es dauerte lange, bis sich das Gericht zugunsten des APC entschied und dem Bierbudenbetreiber vorschrieb, die Lautstärke nur noch bis 4, d.h. Zimmerlautstärke einzustellen.
Doch es gibt Abende, an denen der Gerichtsentscheid vom Budenbesitzer ignoriert wird.
Der Richter erklärte klar, dass die Lizenz dem Schurken weggenommen wird, sollte er sich nicht an den Entscheid halten.
Ich warte noch ab, und wenn der Lärm des öfteren wieder unerträglich wird, werde ich wieder klagen gehen.
Interessant ist die Tatsache für mich, warum die Leute, für die der Lärm auch zu viel ist, mich bitten, Klage einzureichen. Die Leute haben Angst, kennen ihre Rechte zu wenig und versinken in den Fatalismus zurück. Eine Frau sagte mir: "Ich will doch nicht verhext werden."

Mittwoch, 6. November 2019

Endlich sind die meisten Pässe da

Der Marimba Lehrer erhielt von der Einwohnerkontrolle einen Anruf, die Pässe fürs APC in der nächsten Stadt abholen zu kommen. Bevor wir losfuhren, kauften wir ein gebratenes Huhn;denn der feine Fleisch-Geruch lässt die Person hinter dem Schalter der Passausgabe sicher schneller arbeiten. Da aber der Geruch den Schaltermann wegen der langen Warteschlange nicht erreichen konnte,; denn wir mussten hinten anstehen, wurde das Huhn von unsern Leuten in Sekundenschnelle hinunter verschmatzt;  das Fett tropfte ihnen über Lippen und Kinn, und dann wurden sie beim Namen aufgerufen, den Pass unterschreiben zu kommen. Der Mann hinter dem Schalter war allerdings nicht erfreut, als er die Fettfinger beim Unterschreiben sah. "Gibt es in der Schweiz keine Hühner?" "Es gibt dort auch Hühner, aber nicht so feine."
Wichtiger als Hühner sind die Pässe.


Sonntag, 3. November 2019

APC, eine Insel im Pool der Kontroverse

Ein Kupferfest, die grösste Folklore 3 Tage im Jahr, soll das Fest der Begegnung sein. Am Donnerstag fuhr ich pünktlich, wie angesagt genau um halb vor 8 Uhr mit den Marimben und 8 Spielern ins Stadion ein. Ein roter Teppich war bereits ausgerollt, angeblich für einen Minister, der die Eingangsrede um 08°° halten sollte. Doch ich sah noch niemand im Stadion ausser einigen Dienstleuten.. Wir mussten um einen Schattenplatz für die Marimben kämpfen.
Ich fuhr ins APC zurück, um die Arbeit zu beginnen.
Eine elende drückende Hitze so früh schon. Der Regen sollte nach Internet schon seit 2 Tagen abkühlen. Dicke Wolken kamen, aber vom heftigen Wind, der die Wolken davon fetzte, wurde im Internet nichts bekannt gegeben. Man muss es so schreiben, ansonsten kommen die Touristen nicht mehr.
Etwa nach einer Stunde telefonierte mir ein Marimba Spieler, ob ich noch Kunstwerke von unserer Galerie und einige Tische bringen könne; denn die Organisatoren möchten, dass das APC auch etwas Geld machen kann, nicht nur die viele Dutzend Chinesenstände mit all den billigen Glittersachen, Plastikgewehren und Knallfrösche für die Kinder .
Nachdem ich Bilder und andere Kunstgegenstände brachte, stolperte der Stadtpräsident über den roten Teppich. Es fanden sich Leute ein, aber die meisten nur Erwachsene, die sich im Schatten der Zeltdächer niedersetzten. Und nun begann das Kabarett. Während wir unser Verkaufsstand einrichteten, hörte ich immer wieder ein schallendes Lachen der Leute. Einer der Marimba Spieler, der sich die Rede anhörte, sagte mir anschliessend, dass es so lustig gewesen sei, dem Redner zu zuhören. Die englische Sprache war nicht sein Talent, und immer, wenn er komische Wörter rausliess, mussten wir laut lachen. "Worüber hat er denn gesprochen?" fragte ich. "Ich weiss es auch nicht; denn ich habe einfach auf die Fehler geachtet, um wieder lachen zu können."
Die Schulen gaben allen Kindern am Freitag frei, damit sie das Kupferfest besuchen können. Ich fragte unsere APC Kinder am Donnerstag Abend, ob sie am Freitag ebenfalls frei haben möchten. jene, die JA riefen, durften gehen. Sie gingen, nur etwa 3 Dutzend. Die andern liess ich auf die Bühne setzen, und gleich nutzte ich diese Situation, um unsern Lehrern zu seinen, dass man sie gerne hat, und dass sie wichtig sind. Alle Kinder durften sich äussern , warum sie morgen im APC bleiben möchten. Die Flötenkinder schrieb, dass sie ihre Lehrerin Selma mehr lieben als die Knallerei dort drüben. Ähnliches wurde über die andern Lehrer gesagt. Ein Oboenschüler bemerkte, dass seine Töne ihn im Leben weiter bringen als das Gedränge, wo man hin und her geschupst und dann erst noch bestohlen wird. All die Äusserungen unserer Kinder stärkten das Selbstwertgefühl unserer Lehrer/innen.
Und dann kam derAbend, und dann auch der Samstag mit dem Schlussabend.
Ich sass im APC und versuchte Klavier zu spielen, was nicht ging, weil der Lärm von aussen mich übertönte, obwohl der Festplatz ein Kilometer weit entfern war. Eben wollte ich nach Hause gehen, hielt mich der Nachtwächter auf. Er war ziemlich traurig, weil seine Tochter heute gestorben war; der Magen habe nicht mehr funktioniert. Ich wollte ihn heimschicken, doch er verweigerte; denn er habe seine Pflicht hier. Die beiden Jugendlichen, die bei mir wohnen, brachten ihm ein Nachtessen und boten ihre Hilfe für diese Nacht als Wächter an. "Nein, ich tue meine Pflicht", beharrte er.
Einige Jugendliche kamen um Mitternacht zu mir : "So ein Kupferfestival, von dem wir kommen, ist etwas ganz Schlechtes. Die meisten sind total besoffen, darunter auch viele Kinder, 10 Jährige, die mit Bier herum trotteln, einander das Geld aus den Taschen reissen, sich schlagen und wie Idioten mit Leuchtringen auf dem Kopf herumbrüllen und stampfen. Wir halten so etwas nicht aus."
" Das nenne ich Degeneration, und so stelle ich mir die Hölle vor!" erklärte ich.
Die 16 jährige Hilma  atmete leicht auf:"Zum Glück haben wir das APC!"

Samstag, 26. Oktober 2019

Wo das Ende der Armut beginnt


Wo Jugendliche beginnen, ihren Selbstwert zu erkennen  ( denn  die Schulen und oft auch die Eltern, sofern sie überhaupt welche haben, hatten ihn nicht erkannt und deshalb auch nicht gefördert), erwacht die Erkenntnis, ihres Glückes eigener Schmied zu sein. Dann tun sie sich in Gruppen zusammen und üben so lange, bis sie finden, gut genug zu sein, um an Hochzeiten, Beerdigungen, Graduations und andern Volksfesten aufzuspielen , um davon Geld für die Bewältigung ihres Alltags zu bekommen.
Manchen wird sogar einen bezahlten Job als Musik - oder Kunst-Lehrer angeboten.
Wenn ich das so sehe, wünschte ich, mehr Sponsorengelder zu erhalten, um mehr Jugendlichen und Kindern diesen Weg öffnen zu können.