Sonntag, 8. Dezember 2019

Geheimnis meines Erfolges mit dem APC

immer wieder werde ich gefragt, warum ich mit so einer Passion die harte Arbeit in Namibia immer noch leiste, anstatt mich auszuruhen, und was hatte mich vor 30 Jahren in dieses harsche Land getrieben, da doch die Schweiz so viel bequemer sei. 
Solche Fragen bringen mich in Verlegenheit;denn sie sind kaum zu beantworten. Vielleicht sind es die ganz wenigen Momente aus der Kindheit, die kurz, aber so tief waren, dass sie mich dabei auf eine andere Ebene versetzten, die ich nur in diesen damals erlebten Bildern  zu   beschreiben imstande bin:

1.  Mein Vater setzte eine Schallplatte auf und lehnte sich auf das Sofa in der Stube. Ich setzte mich zu ihm hin. Dann legte er seinen Arm um meine Schultern und fragte mich,  welche Instrumente ich aus dieser Musik erkennen könne. Ich hörte Geigen und vor allem den Herzschlag meines Vaters. Dieser Moment versetzte  mich in eine Atmosphäre unendlicher Sicherheit, die ich nie vergessen habe.

2. Ein weiterer Moment hat mich geprägt: Ich war etwa 8 Jahre alt, als ich mit einigen meiner Geschwister auf dem Estrich ein Theater improvisierte. Plötzlich rief uns die Mutter, herunter zu kommen. Ich aber folgte nicht sofort dem Befehl, weil ich einfach nicht konnte; denn ich drehte einen Hebel an einer alten Schallplattenkiste, und eine wunderschöne Melodie ertönte, die mich entzückte. Es war die kleine Nachtmusik von Mozart. Ein Bruder rief, ein Geist würde mich holen, wenn ich nicht sofort herunterkäme. Ich umklammerte fest die Kiste mit dem linken Arm, während die Rechte weiter kurbelte. Ich genoss diese Musik, und nichts in der Welt konnte mich stören, nicht einmal die Dunkelheit, als einer dieser Brüder die Sicherung ausschraubte. Diese Musik versetzte mich in eine ganz andere Welt, in eine angstfreie, erlöste, helle Atmosphäre.

3. Ich saß in der Gesangsstunde beim 6. Klass Lehrer, den wir wegen seiner Schlägerei oft fürchteten. Er spielte mit einer Hand auf dem Klavier und sang dazu das Lied: Ich hattˋ einen Kameraden, einen besseren findest Du nicht; er hörte plötzlich auf zu singen, und es kollerten Tränen über seine Wangen. Wir durften heimgehen. Es war Spätherbst, auf dem Heimweg schaute ich den letzten Blättern zu, die von den Bäumen fielen. Mich fror es . Zu Hause fragte ich den Vater, ob er mir nicht das Lied: Ich hatt einen Kameraden auf dem Klavier vorspielen und dazu singen würde. „Spielen ja, aber nicht singen.“
Er setzte sich ans Klavier und spielte mit beiden Händen. Es war eindringlich traurig, aber auch schön. Dann erklärte er mir, dass dieses Lied aus der Zeit des Krieges stamme. Warum denn mein Lehrer in der Schule geweint hatte, als er dieses Lied sang, wollte ich wissen. Da lachte mein Vater:“Es ist besser zu weinen, als Schüler zu schlagen“.

So ist meine Antwort auf die Frage, warum ich denn immer noch in Namibia weiter arbeite.

Freitag, 6. Dezember 2019

Darauf haben wir über ein Jahr gewartet


Der Regen ist endlich angekommen.
Die Temperaturen sind um ungefähr 10 Grade gesunken. Es ist so schön, nachts die Regentropfen auf dem Wellblechdach zu hören. Das beruhigt.
Es beruhigt auch, dass einige Minister wegen Selbstbereicherung von Staatsgeldern endlich im Gefängnis hocken.
Namibia's Fische sind noch nicht mit Plastikteilen angereichert, sie kommen aus dem frischen Benguela Meer, aber für die Armen nicht mehr käuflich: denn der Minister für Fischerei hat die Fischerlizenzen an China, Spanien Norwegen  etc. illegal verkauft, und das Geld selber eingesackt. Das Meer ist überfischt, aber nicht von Namibiern. Dieser Minister hockt jetzt auch im Gefängnis.
Die Kühltruhen in den Fischläden sind gähnend leer. Und wir warten auf die Zeit, wo man sich wieder die guten Fische leisten kann. Eine Fischdose mit Sardinen können sich nur noch die obere Mittelschicht und die Reichen leisten.

Samstag, 30. November 2019

Der alte Präsident Geingob hat wieder gewonnen

Das heisst, dass Namibia weiterhin so bleibt, wie es in den 4 letzten war: Die Reichen werden noch reicher und die Mittellosen noch ärmer.
Es tönt nach Naturgesetz, aber das ist es nicht. Hätten  alle möglichen Jugendlichen die Chance fürs Wählen- können wahr genommen, würde eine Veränderung beginnen. "Es ist halt einmal so, da kann man nichts machen!" Eine solche fatalistische Haltung ist für Afrika so typisch.

Freitag, 29. November 2019

Heute war Black Friday


Am heutigen sogenannten Black Friday waren die Kaufläden so voll, dass ich wegen eines Brotes nicht 3 Stunden an der Kasse anstehen wollte.
Warum strömten am heutigen Black Friday all die vielen Leute in die Kaufläden? Es wurde mir erklärt, dass heute alles sehr viel billiger als als an andern Tagen zu kaufen sei.
Aber warum denn das Wort Black Friday und nicht goldener Friday, wo doch alles billiger ist?
Ich bekam als Antwort dieses schreckliche Bild zu sehen :
" Am black Friday wurden die schwarzen Sklaven aus Afrika billiger an die Engländer, Franzosen und Spanier verkauft." Daher der Name! Schlimm, aber wer weiss das schon beim billigeren Brot kaufen?
Wer heute Afrika bereisen will, oder wer Afrika verstehen will, sollte unbedingt zuerst das kompetente Buch von Bartholomäus Grill "Ach, Afrika" lesen

afrikanischer Christbaum in der Hitze


Heute bestaunte ich am Eingang des grossen Einkaufszentrums in Tsumeb einen wunderbaren Christbaum, nicht eine Plastiktanne aus China importiert mit Discokerzen drauf, sondern von den Einheimischen eine ganz neue Kreation aus alten, weggeworfenen Radreifen erstellt. Der unterste stammte sicher aus einem Riesenlaster aus der Mine, dann einer aus einem grösseren Lastwagen, darüber ein Reifen eines Traktors usw,  bis zuoberst aus einem gewöhnlichen Personenwagen. Obendrauf ein solar-elektrifizierter Schneestern, der dann abends beleuchtet wird. Die Christbaumkugeln sind aus Glas, nicht aus Plastik.
Die Idee des Christbaumkünstlers finde ich wettbewerbsfähig für "Wie kann Weihnachten umweltschonend geschmückt werden?" Und "Wie kann das sog. gefühlsvolle Lichterfest vom Norden gerecht in die lähmende Hitze und blendende Sonne übertragen werden?" Hier, wo alle unter der brennenden Sonne leiden und sich nach etwas Kälte und  Regen sehnen? Namibia ist zwar ein christlicher Staat, aber was soll da ein weisses Baby in einer Futterkrippe?

Mittwoch, 27. November 2019

Geheimnisvolle Wahl für einen Präsidenten

Der APC Leiter Shangelao von Oshikuku mit der künftigen Geigenlehrerin und dem Cellolehrer erschienen im APC Tsumeb, um für eine gemeinsame Performance mit uns hier zusammen zu üben.
Als ich sie fragte, ob sie nicht am heutigen Wahltag teilnehmen sollten, schauten sie sich einander verlegen an und übten weiter.
Aber die Musik war alles eher als harmonisch, die Flöten überhaupt nicht gestimmt, der Cellospieler übersah dauernd Noten, die Harfenspielerin zupfte falsche Saiten und , und dieses Gedudel hörte sich  schrecklich an, bis es mir zu bunt wurde und ich sie alle aufforderte, zuerst alleine die Stücke zu üben. Doch sie wollten nicht, da sie vor irgend etwas Angst hatten. Sie wollten zusammen bleiben und so lange miteinander üben, bis es gut klingen würde.
Es lag wirklich etwas in der Luft; die Atmosphäre war gespannt. Als es nach 2 Stunden noch nicht so rein tönte, sagte ich, dass es besser sei, etwas miteinander trinken zu gehen.
Im Restaurant machte der Kellner seine Bemerkungen: "Heute müsst Ihr besonders viel trinken; denn morgen gibt es vielleicht nichts mehr. " In diesem Moment trat  der frühere Stadtpräsident an unseren Tisch und rief, dass nächstens die Spitäler und Gemeindehäuser brennen würden. Selma erschreck , und Schangelao sagte:"Blödsinn!" Dann fragte mich der Mann, ob den jungen Schweizern alles gratis in die Hände gegeben würde, um ein gutes Leben zu haben. "Nein, auch bei uns müssen wir arbeiten, um vorwärts zu kommen." Es wurde mir klar, dass der Mann auch etwas Angst hatte, seine Partei könnte nicht mehr die Mehrheit an Stimmen gewinnen. Nach langem Hin-und Her Raten bezahlte ich, und auf dem Heimweg fuhren wir an einem Wahllokal vorbei, vor dem noch immer lange Menschenkolonnen warteten. Gerne hätte ich geknipst, aber als Nichtjournalistin würde ich mich strafbar machen.
Nach einer Stunde gings wieder ans Musizieren.  Plötzlich ging das Licht aus. Die ganze Stadt war dunkel. Der Nachtwächter forderte uns auf, heim zu gehen.
Zuhause telefonierte ich unserer Marimba Spielgruppe, um zu wissen, wie es ihr in Windhoek, wo sie an einem Musikwettbewerb teilnimmt, ergehe. Das Essen sei fantastisch hier im Hostel, und viele Musikgruppen aus allen Regionen Namibias seien hier beisammen, erklärte mir der Leiter der Marimba Gruppe. Weiter wollte ich wissen, ob sie nicht an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen würden. "No, we prefer to make music." (Wir machen lieber Musik) tönte es vom andern Ende.

Dienstag, 26. November 2019

Freche Zumutung

Unsere Marimba Gruppe hatte vor 3 Monaten in Tsumeb an einem regionalen Wettbewerb  für Musik gewonnen, und sie war heute eingeladen worden, in Windhoek an der nationalen Ausscheidung Teil zu nehmen . Die Organisation in Windhoek versprach den Transport, ein Hotel und alle nötigen Auslagen zu übernehmen. Um 14°° sollten unsere Jugendlichen mit Schlafsack etc. in Tsumeb bereit stehen, damit sie abgeholt werden können. Sie waren pünktlich, doch der versprochene Bus kam erst nachts um 22°°. Als ich anrief, weshalb eine solche Verspätung, hiess es einfach, dass sie sparen müssen. Vermutlich hat die Organisation das Geld, das sie vom Staat erhielt, veruntreut und haben kein Nachtessen mehr. Der Wettbewerb geht 10 Tage lang, von allen Regionen Namibias wurden die besten Performer eingeladen.