Freitag, 23. Februar 2024

Meine neuen Nachbarn

 Da zog kürzlich eine neue Familie mit 3 Kindern in das Nachbarhaus ein. Ich hörte sie miteinander in einer Sprache reden, die ich nicht verstand. Da alle spindeldürr aussahen, dachte ich, dass mein Besuch mit einem Brot sie freuen könnte. Sie begrüssten mich mit einem eleganten Englisch, das mit dem namibianischen English (hier namlisch genannt) nichts zu tun hatten.

Langsam erfuhr ich ihre Geschichte. Die Kinder sollten in einer Mine für Koltan arbeiten, aber als der Vater dagegen war, wurde er von der von einer amerikanischen Batteriefirma gesponserten Rebellengruppe erschossen. Der Mutter blieb nichts anderes übrig, als mit den Kindern südwärts bis zur angolanischen Grenze zu rennen, dauernd in der Angst, auch erschossen zu werden. 

Da Angola aber keine Flüchtlinge aufnimmt, sie aber durch ihr Land bis zur namibischen Grenze führt, wurde diese Familie vor dem Tod bewahrt.  Namibia hat ein grosses Flüchtlingslager in der Wüste, genannt OSIRE.

In Osire gibt es für alle Schulen; aber die Nahrung für über 6'000 Flüchtlinge , welche die Regierung zur Verfügung stellt, reicht nicht aus, um alle satt werden zu lassen. So wird ihnen empfohlen, in Namibia Arbeit zu suchen.

Da profitiert das APC in Tsumeb; denn bei über 400 Kindern und Jugendlichen im APC muss ich nach guten Musik Lehrern Ausschau halten. Die Flüchtlinge lernen sehr schnell, und nach wenigen Wochen kann ich ihnen bereits einen Job als Hilfs-Lehrer oder Hilfs-Lehrerin geben. 

Sie sind dankbar für jedes noch so kleine Material, das sie bekommen. 

Sonntag, 18. Februar 2024

Mit Zählen komme ich da nicht mehr nach

Wie jeden Freitag nach 17 Uhr halten wir das Schüler Meeting ab, um ein gegenseitigen Gedanken- und Ideenaustausch zu gestalten. Oft handelt es sich um Vorschläge, wie die kommende Woche besser gestaltet werden kann. Die Schüler/innen, die am meisten geübt haben, dürfen ihr Lieblingsstück vorspielen.

Aber diesmal erschien unser Nachtwächter mit einem Pfarrer auf der Bühne. Ich dachte, dass er für Regen beten würde; denn die Hitze wird immer unerträglicher. Doch er war anders, kein Bettler, sondern ein Christ; denn es ging ihm um ein neues Paradies, das zu schaffen gilt. Er sprach sehr kinder-und jugendgercht, wie man miteinander umzugehen hat, wie man sich freuen kann, wenn ein anderes Kind oder ein anderer Jugendlicher ein schönes Lied vorspielt, statt eifersüchtige Bemerkungen zu machen.

Ich hoffe, dass dieser Pfarrer nächsten Freitag wieder kommen mag.

Montag, 5. Februar 2024

Weisse lange Schachteln mit einem aufgezeichneten Kreuz

 Hunderte von weissen Schachteln mit aufgemalten Kreuzen reihen sich in einem Graben so weit das Auge reicht. Ein Fussgänger zeigte mir heute etwas verhalten dieses schreckliche Bild auf seinem Händy. Er sprach französisch und begann zu weinen; denn hier liegt auch sein 14 jähriger Bruder, der sich geweigert hatte, als Soldat in einer Rebellengruppe im Ost Kongo mit zu machen. Da wurde er erschossen.

Die Welt schaut nicht einmal hin, spricht aber dauernd vom Ukraine Krieg und vom Israel-Gaza Krieg, aber vom Krieg gegen die Kinder und Jugendlichen, die täglich im Kongo gefoltert und erschossen werden, wird geschwiegen; denn es geht um den Reichtum, den es nicht zu verlieren geht: Koltan , das Teure Gestein, ohne das Apple, Mercedes etc. ihre Luxusgüter nicht produzieren könnten. Die Regierung im Kongo kann nicht sehr viel dagegen ausrichten; denn die Rebellengruppen haben viel mehr und bessere Waffen, die von der ersten Welt den Rebellen geschickt werden.

Sonntag, 4. Februar 2024

Der Präsident Hage Geingob ist tot

 Der namibianische Staatspräsident Hage Geingob ist heute auf die ewige Reise gegangen, wohin, weiss niemand auf dieser Erde. Er hatte kurz Krebs, flog zur Behandlung vor wenigen Tagen nach Amerika, kam zurück und verschied heute morgen.

Als ich in einen Laden ging, waren alle so freundlich zueinander; es schien mir, als hing ein spezieller Geist mit der Botschaft in der Luft: Wir Menschen brauchen einander!

Donnerstag, 1. Februar 2024

Einer, für den sich meine Hoffnung gegen die Hoffnung aller doch gelohnt hat

Alle sagten, dass meine Mühe und meine Geduld, die ich  für diesen diesem Bongani  aufbringe, es sich nie lohnrn wird; denn er sei zu  liederlich und faul. Viele Zeit wendete ich für ihn auf, um ihn zu überzeugen, das APC endlich ernst zu nehmen und sein geniales Musiktalent nicht einfach so gleichgültig hinter sich zu werfen.
Lange Jahre hatte es gebraucht, bis er seiner Verantwortung bewusst wurde. Heute weiss er, dass er mit seinen musikalischen Fähigkeiten dem APC sehr viel helfen kann. Er unterrichtet viel Stunden am Tag, bereitet seine Stunden sogar schriftlich vor und  sucht für die beiden Orchester, die er organisiert und dirigiert, die entsprechenden Noten.
Er war schon damals, als er am Jehudi Menuhin Festival in Gstaad (CH) telnehmen durfte, als genial aufgefallen; und dieses Jahr ersetzte er im grössten Orchester  in Windhoek den an sich guten, aber versoffenen Cellisten. Bongani wohnt in der schlechtesten und unruhigsten Wohnsiedlungen, die man sich vorstellen kann. 
Heute kommt er als erster ins APC.







Donnerstag, 18. Januar 2024

Unsere Neuen APC Teacher sind sehr kreativ

Anstatt nach den Lektionen heimzugehen, treffen sich im APC noch junge Lehrerinnen, um miteinander zu spielen: Hier haben sie aus einer grossen Schachtel ein " Eile mit Weile"- Würfelspiel gebastelt, und nun wird stets am Ende des Tages miteinander gespielt.
Ich kenne dieses "Eile mit Weile"- Brettspiel aus meiner Kindheit; weshalb ich wissen wollte, woher sie diese Idee geholt haben, dieses "Eile mit Weile" Spiel zu kreieren. "Aus dem Internet"

Das macht wirklich Sinn, wenn über 20 Jährige noch ihre Kindheit geniessen dürfen anstatt mit unerwünschten Babies auf dem Rücken schon Mütterverpflichtungen nachgehen müssen, frustriert von den Männern zu sein und aus Wut und Traurigkeit in Alkohol zu stürzen. Ich sehe immer mehr in dieser langsam in Chaos versinkende Gesellschaft Namibias den Sinn unseres APC's ein.


 

Mittwoch, 17. Januar 2024

Anerkennung macht das Leben aus

 Ein Mädchen Macella kam mit 7 Jahren in die erste Geigenstunde ins APC. Da lernte es, wie die Geige richtig zu halten ist, und ich weiss heute noch, wie es strahlte, als es die leere Saite D zupfte, und schöne Töne erklangen. 

Eine Woche später kam es am Sonntag morgen in einem blau glänzenden neuen Kleid zu mir und fragte um eine Geige, damit es in der Kirche vorspielen  dürfe. Ich händigte die Geige zögernd aus.

Als Macella die Geige am Nachmittag zurückbrachte, hatte es vor Freude Tränenin den Augen. "Was hast Du denn gespielt?", wollte ich wissen. Seine Antwort:" d, d paue , pause, d, d, pause, pause , d, d,.. und dies ganz lange. Am Ende klatschten die Leute.!"

Letzte Woche erschien eine sehr hüsche junge Dame im APC und fregte scheu, ob sie mit der Geige weiter machen könnte. Sie habe die Matura nicht bestanden und wisse nun, welchen Beruf sie lernen möchte:

"GEIGERIN;

denn mit der Geige kann ich Anerkennung im Leben finden. Meine Tante, die mich aufzog, verbot mir, nach dem Erfolg in der Kirche weiterhin ins APC zu kommen; denn sie glaubte, dass mich nur die Schule im Leben weiterbringen könnte. Und jetzt ist sie sehr böse auf mich und sagte, dass ich nichts wert sei."

Ich gab Macella die beste Lehrerin namens Martha.  Ich sah die beiden abends  wie beste Freundinnen zusammensitzen.